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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 114

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Romantische Politik bei Thomas Mann
Date
1932-06-01
Page
114 (sequence 9)
Language
German
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Käte Hamburger Republik voraus hätte. Die Demokratie in dem geistigen Sinne, der Thomas Mann wie Novalis lebendig geworden ist, kann in der Republik so gut zur Erscheinung kommen nie in der Monarchie, ja gerade um ihretwillen können beide in einer Staatsform vereinigt sein: denn der Repräsentant der Idee der Humanität und diese Idee selbst, die die Bürger des Staates zu einer wahren Demokratie vereinigt, sind ja keine Widersprüche. So hat denn Thomas Mann später selbst das demokratische Element seines Fürstenromans hervorgehoben, ohne daß ihm zu jener Zeit der ideelle Zusammenhang von Demokratie und Monarchie schon in aller Schärfe sich herausgebildet hätte. Der Gedanke der Relativität der Staatsformen im Hinblick auf die universale Humanitätsidee, die sich in ihnen verwirklicht, leitet Thomas Mann weiter in der Beurteilung des politischen Geschehens unserer Zeit. Es scheint mir für den romantischen Denker höchst charakteristisch zu sein, daß er, der sich seiner deutschbürgerlichen Herkunft und Zugehörigkeit stets sehr bewußt ist, zum Verstehen und zur Bejahung der Sozialdemokratie eben dadurch gelangt, daß er sie — ungeachtet ihrer ökonomischen Herkunft und ihrer gesellschaftlichen Klassenidee — betrachtet als diejenige Staatsform, die heute berufen ist, „die geistigen Überlieferungen deutscher Bürgerlichkeit" aufzunehmen; denn diese geistige Bürgerlichkeit — so hatte er bereits in den „Betrachtungen eines Unpolitischen" gesehen — hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sich allmählich in eine ungeistig-materialistische „Bourgeoisie" verwandelt. Nicht sie, die nach dem Zusammenbruch ihrer wirtschaftlichen Basis der Nährboden eines neuen, falschverstandenen Nationalismus wurde, sondern die Sozialdemokratie ist Erbe der Humanitätsidee, die in dem deutschen Menschen immer leben wird, gleichgültig, in welcher Weise die Staatsform, die er sich gibt, diese Idee zum Ausdruck bringt. Von der deutschen Sozialdemokratie glaubt Thomas Mann sagen zu können, daß sie „weit freundlichere Beziehungen zum Geist unterhält als die bürgerlich-kulturelle Gegenseite, die nur zu oft zu erkennen gibt, daß sie die Berührung mit dem lebendigen Geist, die Sympathie mit seinen Lebensforderungen verloren und verlernt habe." (1980, S. 2 4.) Diese Stellungnahme des Dichters kommt zum Ausdruck in der „Deutschen Ansprache" (1980) und in dem Aufsatz „Kultur und Sozialismus" (in „Die Forderung des Tages"). Von dem letzteren muß darum noch ein kurzes Wort gesagt werden, weil Thomas Mann hier zunächst die Bekenntnisse und Erkenntnisse der Schrift „Von deutscher Republik" wieder zurückzunehmen und zu der Position der „Betrachtungen" von neuem 114

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