Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1932)
- Article
- Romantische Politik bei Thomas Mann
- Date
- 1932-06-01
- Page
- 115 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2895450-2895507-2895510-2902274--05762-2902344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Romantische Politik bei Thomas Mann zurückzukehren scheint. Wenn aber hier die Schwierigkeit, die Form der Demokratie als eine deutschem Wesen angemessene anzuerkennen, abermals erörtert, wird, so setzt sich in der Auseinandersetzung mit den einander so heterogen erscheinenden Begriffen doch die romantisch-idealistische Auffassung der Demokratie wieder durch. Als Ausdruck des Humanitätssinnes, also einer überpolitischen Idee verstanden, kann die Demokratie, und auch die Sozialdemokratie Trägerin der deutschen Kulturidee werden. Eine „innere, geistige Demokratisierung Deutschlands" würde dann erfolgen, „wenn ein Bund und Pakt der konservativen Kulturidee mit dem revolutionären Gesellschaftsgedanken, zwischen Griechenland und Moskau" geschlossen werden könnte, „wenn Karl Marx den Friedrich Hölderlin gelesen haben werde". Der tief im geistigen Erdreich des deutschen Idealismus wurzelnde moderne Dichter Thomas Mann kann das politisch staatliche Leben nicht anders beurteilen als nach dem Maßstab der überstaatlichen, unpolitischen Idee, die für ihn immer wirksam und erkennbar ist in den sich wandelnden politischen Erscheinungen — so daß er als ein „Unpolitischer" in dem Sinne dieses Geistesuniversalismus anzusprechen ist, den er mit Schiller und Novalis gerade als einen Wesenszug der deutschen Nation erkennt, von dem, wie er glaubt, auch die „unterbewußte Weltpsychologie ' als einem solchen weiß. WS 8*