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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 113

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Romantische Politik bei Thomas Mann
Date
1932-06-01
Page
113 (sequence 8)
Language
German
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Romantische Politik bei Thomas Mann Und diese Bezogenheit ist es, die ihn die Staatsformen der Republik in demselben unter dem Lichte des Humanitätsgedankens relativ werdenden Werte betrachten läßt, wie es bei Novalis geschieht. Er bekennt sich zu den Worten des Novalis, die die Ähnlichkeit der geschichthchen Situation besonders deutlich aufleuchten lassen, aus der heraus der Romantiker wie Thomas Mann zu ihren Ergebnissen kamen: „Diejenigen", so zitiert Thomas Mann, „die in unseren Tagen gegen Fürsten als solche aklamieren und nirgends Heil statuieren als in der neuen französischen Manier, auch die Republik nur unter der repräsentativen Form erkennen und apodiktisch behaupten, daß nur da Republik sei, wo es Primär- und Wahlversammlungen, Direktorium und Räte gebe, die sind armselige Philister, leer an Geist und arm an Herzen . . ." Aber mit dem Begriff und Wesen des Fürsten hat Thomas Mann sich schon früher, vor aller Revolution und faktischen Relativierung der Tatsachen, beschäftigt. Das anmutigste Werk seiner früheren Epoche „Königliche Hoheit" hat den Begriff des Monarchen selbst zum Gegenstande, und es hat ihn zum Gegenstande in einer Weise, die seine spätere politisch-theoretische Stellungnahme und seine Berufung auf Novalis als eine folgerichtige Entwicklung seines Denkens erscheinen läßt. Wenn in der Gestalt des jungen Prinzen Klaus Heinrich auf der einen Seite freilich die Leere, die bloß formale Existenz des fürstlichen Daseins ironisiert wird, so wird doch auf der anderen Seite zugleich deutlich, daß an einer übertriebenen Zeichnung der echte Kern und Sinn dieses fürstlichen Daseins bewußt gemacht werden soll: denn der „hohe Beruf" des Fürsten ist, wie es Dr. Überbein dem Prinzen klar zu machen sucht, Repräsentant des Volkes, und zwar Repräsentant des Geistes dieses Volkes zu sein. Hinter der rein formalen, „unsachlichen" Ausbildung des Prinzen steht der Gedanke, daß in seinem Fürsten jeder Bürger sich in einer höheren Form wiederfindet, daß er repräsentatives Sinnbild des höheren Menschentums überhaupt, des „Idealmenschen" sein solle, und es gehört zum Sinne dieser Repräsentation, daß ein glücklicher Ehebund am Ende des Romans steht, denn auch sein häuslich-familiäres Leben will der Bürger in einer höheren, „feiertäglichen" Form in seinem Fürsten dargestellt sehen — und hatte nicht gerade die glückliche Ehe des preußischen Königspaares Novalis zu seinen Betrachtungen über eben diesen Sinn des Monarchen geführt? Thomas Mann würde Novalis zugeben, daß diese Repräsentation in einer Person eine einfachere, „ökonomischere" Form als die in einer Mehrheit von Personen, die Monarchie deshalb unter diesem Gesichtspunkt eine natürlichere Staatsform als die Republik sei. Aber dies wäre auch der einzige Vorzug, den die Monarchie vor der 8 113

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