Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1932)
- Article
- Romantische Politik bei Thomas Mann
- Date
- 1932-06-01
- Page
- 112 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895507-2895510-2902274--05759-2902341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Käte Hamburger gebend war. Novalis hat bekanntermaßen in der Schrift „Glauben und Liebe" in idealisierender Anschauung des jungen preußischen Königspaares, Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise, den Sinn der Monarchie, den Begriff des Monarchen, wie er ihn deutete, dargelegt. Der Monarch hat für ihn nicht den Sinn und die Aufgabe, Herrscher, Besitzer des Landes zu sein, dem er vorsteht (so wie der absolute Fürst der Aufklärungszeit), sondern er hat einen zuletzt symbolhaften, repräsentierenden Charakter. Der Monarch ist Repräsentant und nichts als solcher, Repräsentant des „poetischen" Staates, d. i. jener Gemeinschaft des Geistes, die die Gemeinschaft wahrer Menschheit, die die eigentliche und recht verstandene Demokratie ist. Den bereits der Königsschrift vorausgehenden Gedanken, „ob nicht Monarchie und Demokratie schlechterdings als Elemente eines wahren Universalsystems vereinigt werden müssen", hat er dann in dieser Schrift selbst im einzelnen ausgeführt. Hier zeigt er, wie alle geistigen und sittlichen Kräfte, Kunst und Wissenschaft, Religion und Liebe (Familienleben) in dem König und der Königin ihre weithin sichtbare Repräsentation finden müssen, wie in ihnen der „Geist des Volkes sichtbar zu sein" habe. Von dem Monarchen als Repräsentanten der Idee der Humanität kann er sagen, „daß er kein Staatsbürger sei", sondern Versinnbüdlichung „eines Idealmenschen", der „zur Menschheit, aber nicht zum Staate gehört". So kann er die Auffassung des Fürsten, wie sie die französische Revolution ausdrückt, ablehnen, kann das reale Faktum der Monarchie aufgeben zugunsten einer idealen Forderung von dem Monarchen und Republik und Monarchie nicht als zwei einander ausschließende Gegensätze betrachten. Denn unter dem Gesichtspunkt der Demokratie, unter dem Gesichtspunkt der Humanität oder der Idee der Menschheit erhalten die realen Formen der menschlichen Gemeinschaft nur eine relative Bedeutung. „Denn wären die Menschen schon das, was sie sein sollten und könnten, so würden alle Regier rungsformen einerlei sein ...". Thomas Mann hat aus der innersten Anlage seines Denkens heraus diesen Anschauungen des Novalis zustimmen müssen. Die Bezogenheit der realen Staatsformen auf eine überstaatliche Menschheits- oder Humanitätsidee hatte ihn zu jenem Begriffe der Demokratie geführt, die für ihn mit dem der Humanität identisch wurde. Für sie gerade ruft er den Novalis an: „Was Europa auch sagen möge: , humanitas als Idee, Gefühl und sittlich geistiges Regulativ, das stille Bewußtsein, daß Staat nur eine „besondere Verbindung mehrerer Menschen in dem großen Staate ist, den die Menschheit für sich selbst schon ausmacht" (Novalis) ist unserem Volke niemals abhanden gekommen." It2