Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1932)
- Article
- Romantische Politik bei Thomas Mann
- Date
- 1932-06-01
- Page
- 111 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Romantische Politik bei Thomas Mann die ihrem Wesen nach Liebe und nicht Vernunft ist. Ein aufklärerisches Humani.tätsideal entwirft Thomas Mann noch in den „Betrachtungen" und hat dann in Settembrini diese Aufklärungshumanität personifiziert. Jene Humanität, jene Liebe aber., deren Weg zum Menschen und zum Leben über den Tod führt, die romantische Humanität, die Hans Castorp am Ende in sich erlebt, liegt auch dem Aufsatz „Von deutscher Republik" zugrunde. Hier wird Humanität verstanden gleichsam als Säkularisation jenes „dritten Elementes, das überirdisch und weltlich zugleich" von Novalis als Religion, als der hierarchische Gedanke proklamiert wird. Den Begriff dieser Humanität zu handhaben, kann Thomas Mann sich in der Tat „legitimiert fühlen" ... „denn die Sache war früher mein als der Name... Ich habe Kunde gegeben von dem Geheimnis des Herzens, habe dargetan, wie mit der pädagogischen Idee die Sphäre des Sozialen erreicht sei und der Mensch vom Sozialen angerührt, der unzweifelhaft höchsten Stufe, des Staates, ansichtig werde" ... „Wer aber so spricht, ist Republikaner" fährt er hier fort, und er zitiert Novalis, der eben gefordert hat, daß „überall der Staat sichtbar, der Mensch als Bürger charakterisiert sein sollte". „Ist nicht Republik der Name für das volkstümliche Glück der Einheit von Staat und Kultur?" kann er fragen, den Gedanken der universellen Geistesdemokratie zu der „poetischen" philosophischen Staatsauffassung des Novalis vollendend. In dem Aufsatz „Von Deutscher Republik", in dem er sich in der angeführten Weise auf die Staatslehre des Novalis bezieht, heißt es denn auch programmatisch, daß er „die Einerleiheit von Humanität und Demokratie proklamiere", da „das erste nur ein klassizistisch altmod^hjr^ Name für Indem der Begriff der Demokratie für Thomas Mann unter dein Eintluß des Novalis gleichsam seinen realpolitischen Charakter abstreift und einen idealpolitischen, universalistischen gewinnt, rücken ihm auch die realen politischen Formen selbst in ein anderes Licht. Die Formen der Republik und der Monarchie etwa werden nicht mehr betrachtet in ihrem faktischen Sosein, sondern unter einem wertrelativen Gesichtspunkt. Denn wenn Demokratie der Name für eine geistige Gemeinschaftsidee ist, unter der sich freie Geister zu einer Staalsgemeinschaft vereinigen können und sollen, so kann die politische Form, in der eine so verstandene Demokratie Ausdruck findet, ebensowohl die Monarchie wie die Republik sein. Aber der Begriff der Monarchie erhält dann freilich einen besonderen Sinn, den zuerst Novalis entwickelt hat und der auch, wie sich zeigen wird, für Thomas Mann schon in einer früheren Epoche maßdas zweite sei." III