Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1932)
- Article
- Romantische Politik bei Thomas Mann
- Date
- 1932-06-01
- Page
- 109 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Romantische Politik bei Thomas Mann Leben sich nun einmal bewegt, in Verbindung zu setzen mit der Staatsidee selbst, die als solche auch für ihn bezogen ist auf die Idee des Geistes, den Gedanken der Humanität. Der Staat ist für ihn nichts anderes als eine Form der „Verwirklichung des Geistes" — so wie es Hegel, diese Beziehung auf ihre metaphysische Formel bringend, formuliert hat. Novalis bereits stellt dem Staate die praktische Aufgabe, die Individuen, die in ihm zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen sind, gewissermaßen mit dem Leben des Geistes zu erfüllen., und sie, indem er sie zur Teilnahme an ihm selbst, dem Staate erzieht, mittelbar auch zur Anteilnahme an dem Prinzip des Geistes heranzubilden. Nur ein solcher Staat kann verlangen, daß seine Bürger in ihm leben „wie man in seiner Geliebten lebt", daß sie ihn nicht wie den naturrechtlichen Staat der Aufklärung, als einen äußeren Zweckverband und eine seelenlose Maschine betrachten, sondern als die konkrete Erscheinung des höchsten Wesens des Menschen selbst, so daß sie, indem sie ihm dienen, sich selbst dienen und zur Erfüllung des menschlichen Lebenssinnes, der Humanität, gelangen. „Je mehr Geist und geistiger Verkehr im Staate ist ... desto freudiger wird jeder darin aus Liebe zu dem schönen großen Individuo seine Ansprüche beschränken und die nötigen Aufopferungen machen wollen ..." Darum ist „das Bedürfnis eines Staates das dringendste Bedürfnis des Menschen. Um Mensch zu werden und zu bleiben, bedarf er eines Staates." Um der Vermittlung des Geistes an den Einzelnen willen muß der Mensch ein Staatsbürger sein. „Aus jedem echten Bürger leuchtet der Genius des Staates hervor...". Diese Verbindung, die die überstaatliche Idee zwischen dem Bürger und seinem Staate knüpft, findet nun für den Romantiker ihren Ausdruck in der Staatsform der Demokratie oder der Republik, deren Idee der „Freiheit und Gleichheit" aller ihrer Bürger ihm nicht wie der Demokratie der französischen Revolution ein politisch-wirtschaftliches Gut, sondern ein geistiges, ein „philosophisches" Gut bedeutet. So nennt er die Republik geradezu einen „philosophischen Staat", „Republikanism ist politischer Philosophism". Es ist nun eben diese „philosophische" Rechtfertigung der Demokratie, die Begründung der Staatsform der Republik in dem universalen Begriff der Humanität und der Auffassung des menschlichen Lebens als eines geistgetragenen und geistbestimmten, die Thomas Mann den Weg finden läßt zu der Anerkenntnis des demokratischen Gedankens, den er in den „Betrachtungen eines Unpolitischen" bekämpft oder um den er doch hier noch gerungen. Er lehnt hier die demokratische Staatsform für den deutschen Men- 109