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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 108

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Romantische Politik bei Thomas Mann
Date
1932-06-01
Page
108 (sequence 3)
Language
German
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Käte Hamburger erleidet, vielmals bewegt hat. Und die Verwandtschaft der politischen Begriffe Thomas Manns mit denen der Romantik zeigt sich erst, wenn wir den allgemeinsten Standort betrachten, von dem aus er zu ihrer Bildung gelangte. Als ein solcher allgemeinster Standort der Betrachtung stellt sich dar die ausgesprochen geistesproblematische Grundhaltung, von der aus Thomas Mann sich in die politische Sphäre begibt und vornehmlich ihren Zentralbegriff, den Begriff des Staates, ins Auge faßt. Und diese Grundhaltung ist bedeutsam in einer Zeit, in der die enge Verflechtung von Wirtschaft und Politik wirtschaftspolitische Gesichtspunkte in den Vordergrund treten läßt. Thomas Mann aber ist es zu tun um die spezifische Erscheinung des Geistes in jener Lebensform, die wir den „Staat" nennen, und er steht damit in der Tradition des deutschen politischen Denkens, das von Schiller und Willielm von Humboldt an über Friedrich Schlegel, Novalis, Fichte bis zu Hegel und dem Kreise um den König Friedrich Wilhelm IV. ein zutiefst „unpolitisches" Denken war. Unpolitisch in dem Sinne eines idealpolitischen Universalismus, von dem sich, wie Meinecke in seinem grundlegenden Buche „Weltbürgertum und Nationalstaat" zeigt, das politische Denken Deutschlands nur schwer gelöst hat und das die Entwicklung Deutschlands zu einem realpolitisch denkenden und handelnden „Nationalstaat" lange gehemmt hat. Unter diesem idealpolitischen Universalismus aber ist zu verstehen die Bezogenheit des Staatsgedankens auf eine überstaatliche Idee: auf die Idee der Menschheit selbst, die in dem Begriffe der Humanität von der Klassik auf ihre im weitesten Sinne weltbürgerliche Formel gebracht worden ist. In dem Begriffe der Humanität aber lebt der noch allgemeinere Begriff des Geistes überhaupt, durch den der Mensch eben zum Menschen wird, die Idee der Menschheit an die Idee des geistigen Wesens, der Gottheit selbst, geknüpft ist. i Diese überstaatliche, universale Humanitätsidee ist in das politische Denken auch der Romantiker aufgenommen worden.1) Sie aber, die vor der Klassik eine sich immer stärker durchsetzende Tendenz zu historischem, individualisierendem Denken auszeichnet, benutzen diese universale Idee als Maßstab der Beurteilung des realen staatlichen Lebens selbst. Novalis vor allem macht den Versuch, die realen Staats formen, in denen das faktische politische J) Über den Struktur- und Bedeutungswandel, den der klassische Humanitätsbegriff bei der Aufnahme durch die Romantik erfährt, sowie über die spezifische Form, in der er von Thomas Mann ergriffen wurde, wird in der angegebenen Arbeit eingehend gehandelt werden. 108

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