Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1932)
- Article
- Romantische Politik bei Thomas Mann
- Date
- 1932-06-01
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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Kate Hamburger: Romantische Politik Lei Thomas Mann menhangs willen hat denn auch Thomas Mann sich zu einer tiefen metaphysischen ..Sympathie mit dem Tode" bekannt und diese Sympathie eine spezifisch romantische genannt. Diese kurzen Andeutungen müssen hier genügen, um auf die in der deutsche] v Frühromantik wurzelnde Grundstruktur des Denkens Thomas Manns hinzuweisen, die sich nun auch in seinem politischen Denken durchsetzt. Denn ..in jeder geistigen Haltung ist das Politische latent", so hat Thomas Mann in bezug auf die politischen Anschauungen des Novalis einmal gesagt. Thomas Mann aber hat gerade hier, wo er sich hinausbegibt aus dem Bereiche der Dichtung in den des konkreten, geschichtlichen, politischen Lebens, die Beziehungen, die ihn mit der deutschen Romantik verbinden, aufgedeckt. Er greift auf sie zurück in den „Betrachtungen eines Unpolitischen" und er entwickelt einige Jahre später in dem Aufsatze „Von deutscher Republik" seine politischen Begriffe unter fortwährender Bezugnahme auf Novalis, auf den er in einer späteren Sammlung seiner Essays „Die Forderung des Tages" immer wiedei zurückkommt. Allgemein aber gehören diese Studien, ja gehört die Nötigung zur Teilnahme und Stellungnahme im öffentlich politischen Leben selbst jener kritisch-intellektuellen Sphäre an, die Thomas Mann wiederholt als einen Wesenszug der deutschen Romantik bezeichnet hat. Zu dieser wesensmäßig gegebenen Anlage zu politisch-historischer Schriftstellern aber kommt nun hinzu eine ähnliche geschichtliche Situation wie die, in die die Frühromantiker sich gestellt fanden. Wenn jene um die neuen Begriffe eines neu sich bildenden staatlichen Lebens rangen, so waren die umwälzenden Ereignisse um die Wende des 18. Jahrhunderts, die französische Revolution, die Herrschaft Napoleons, der lebendige geschichtliche Stoff, aus dem sie ihre Begriffe abzuziehen sich bemühten. Und nicht anders sind Thomas Manns kritisch-politische Schriften aus dem gewaltigen Drange der Zeit geboren, deren Wende 191 /j—1918 er um so intensiver erlebte, als sie, wie er bekennt, mit einem Reife- und Wendepunkt seines persönlichen Lebens zusammenfiel. Aber die Tatsache dieser politischen Bemühungen allein, geschweige denn die äußere Analogie der geschichtlichen Lage, würde nicht genügen, um zu erweisen, daß die romantische Denkhaltung des modernen Dichters auch in diesen Bemühungen zum Durchschlag kommt Die Einsicht in diese Zusammenhänge erschließt sich erst, wenn wir Wesen und Herkunft der Hauptbegriffe dieser — im weitesten Sinne — politischen Sphäre betrachten, in der sich Thomas Manns Denken zumal seit der Zeitenwende, die unsere Generation erlebt und 107