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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 91

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Vom politischen Haß zur politischen Lauterkeit
Date
1932-06-01
Page
91 (sequence 5)
Language
German
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Vom politischen Haß zur politischen Lauterkeit salzenen" Schlußpointe so verdreht, entstellt, verfälscht, daß es den Sieg der „Dirne Politik" schlagend „beweist". Das Vertrauen in Justiz und Polizei „dieses Systems" soll erschüttert werden. Das ist psychologische Folgerichtigkeit der Verhetzungstaktik. Je mehr aber jenes Vertrauen durch das Gewaltmittel der lügenden Verhetzung erschüttert wird, um so weiter wird das Volk vom staatspolitischen Verstehen entfernt und in Parteihörigkeiten gebracht. Aufklärende, Wahrheit bringende Entgegnungen aber erreichen ihren Zweck praktisch nie. Denn diejenige Presse, die die Berichtigung bringt, hatte in der Regel die Lüge nicht gebracht. Die Blätter aber, die die lügende Verhetzung gebracht hatten, denken nicht daran, die Wahrheit an Steile der Unwahrheit ins öffentliche Bewußtsein zu leiten. Denn nur die Unwahrheit vermag ihrer Absicht zu dienen. Die Wiedergabe der Wahrheit würde ihre Absicht stören. Niemand verpflichtet sie zur Wahrheit. Die Lüge hat Macht und Freiheit, die Wahrheit ist rechtlos und schutzlos. Niemand widerspricht der Lüge vor den Augen und Ohren der Belogenen. Der Leser soll sie glauben. Er muß sie glauben, weil die aufklärenden Worte ihn nicht erreichen. Es kann nicht anders sein. Die Verhetzungstechnik will es so: seine Urteilsbildung soll fehlgeleitet werden; er soll im Affektzwang erhalten werden. Das geschieht an Millionen Hirnen und Herzen Tag für Tag — unter dem passiven Schutz des Volksstaates. Es geschieht nicht obenhin, aus Leichtfertigkeit oder Mangel an Kritik, sondern es geschieht mit Absicht, zielhaft, zielsicher. Dem kann nur dadurch begegnet werden, daß Staat und Recht sich aktivieren, um das täglich verletzte Volksrecht auf Wahrheit zu schützen. Das ist Staatspflicht, so wahr Volkserhaltung schlechthin Staatspflicht ist. IL Politische Lauterkeit und Rechtskultur Wir begehren nichts Utopisches. Wir haben einen bedeutsamen Zeugen dafür: den Schutz der Lauterkeit im wirtschaftlichen Wettbewerb aus dem Ethos der Wahrheit. Außerordentlich feinnervig hat da Gesetz und Rechtsprechung das Ethos der Wahrheit geschützt; mit außerordentlich fein gefeilten, treffsicheren Waffen bricht es die Macht der Unwahrheit und sichert den Weg der Wahrheit. Ohne diese Verbündung von Rechtskultur und Wirtschaftskultur wäre diese vielleicht ebenso 91

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