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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 79

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Bestand und Untergang der deutschen Juden
Date
1932-04-01
Page
79 (sequence 8)
Language
German
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Bestand und Untergang der deutschen Juden nicht anerkennt. Sie kommt, wenn sie es eben nicht tut, am Ende eben nur zu einer Verleugnung, nicht aber dazu, „Gegenkräfte gegen ihr Schicksal in Bewegung zu setzen". Man kann gegen das Schicksal, wenn immer man von seinem Walten überzeugt ist, keine Kräfte in Bewegung setzen, weil alle Kräfte, die zur Verfügung stehen, Kräfte des Schicksals selbst sind. Man kann sich von seinem Dasein nicht „emanzipieren'';man kann nur dann von seinem Leben lassen, wenn man den Selbstmord will. Man kann aber Kräfte in Bewegung setzen, die Bedingungen dieses Daseins zu ändern, man kann sich von den Umständen emanzipieren, die dieses Leben bedrohen und beengen. Es ist genau zur Hälfte richtig, was Brunner mit seiner Forderung der Selbstemanzipation, worin der Centralverein „der Judenheit in aller Welt voran gehn soll" aufzustellen weiß. Genau zur Hälfte gilt die Forderung. Als Ganzes ist sie falsch und muß abgelehnt werden. V. Was will der Centraiverein? Das ist die Gegenfrage zu der von Brunner an die Spitze seiner Abhandlung gestellten Frage, was der Mann will, der da zu den Juden spricht, der Mann Constantin Brunner. Die Antwort ist gegeben; es wird nicht vieler Worte mehr bedürfen, sie aus der polemisch-philosophischen Form zu lösen. Der Centraiverein will den Bestand des deutschen Judentums. Es ist, in Zeiten schwerer Kämpfe gegen den Antisemitismus, ein schwacher Trost, vom ewigen Bestände des Judentums überzeugt zu sein. Es geht um keine metaphysischen Überzeugungen, sondern um höchst reale Dinge, der Kampf geht ums nackte Dasein, um Lebensrecht und Lebensmöglichkeit. Wir glauben an den Sinn dieses Lebens als Juden, weil wir es führen und nicht davon lassen können, es sei denn, Avir ließen vom Leben selbst. Die Formen nun, in denen dieses Leben geführt wird, sind wandelbar; unwandelbar aber ist sein Gehalt. Die Formen dieses Lebens sind historisch bedingt; sein Sinngehalt ist sein ewiges Schicksal. Über das Schicksal haben wir nicht zu entscheiden, wohl aber über Form und Führung unseres Lebens. Darin wollen wir Freiheit haben. Das — und nichts anderes — heißt Emanzipation, daß diese Freiheit uns gegeben ist. Und darum ist es mehr als nur Abwehr, mehr als ein Kampf ums Recht, wenn das deutsche Judentum dem Angriff auf diese Freiheit durch den Antisemitismus zu begegnen sucht. Die Emanzipation ist nicht aus dem Gedanken heraus entstanden, daß durch sie das Judentum aufgelöst würde, sondern aus dem von Menschenrecht und Menschenfreiheit, sich Form und Bild seines Lebens selbst zu gestalten. Brunner verkennt den historischen Sinn der Emanzipation, wenn er meint, daß sie „halb" wäre, bevor das Judentum auf „jegliche Gruppenbildung" verzichtet hätte. Die „konfuse Epoche der Emanzipation" ist nur darum konfus, weil es Gruppen und Parteiungen in Deutschland gibt, die der absonderlichen Meinung huldigen, daß die Geschichte sich auch einmal (ihnen zuliebe) rückläufig entwickeln würde, die die Rechte, die die historisch notwendige Emanzipation den Juden gegeben hat, bestreiten und ihnen wieder nehmen wollen. Der Kampf gegen den Antisemitismus ist darum zugleich Kampf gegen 79

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