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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 80

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Bestand und Untergang der deutschen Juden
Date
1932-04-01
Page
80 (sequence 9)
Language
German
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Mauritius Kahn: Bestand und Untergang der deutschen Juden diese Gruppen und Parteien, und es ist kein Zufall, daß er zugleich Kampf gegen jene Mächte ist, die die Zukunft des deutschen Volkes bedrohen. Es ist nicht Zufall, sondern Notwendigkeit der Geschichte. Aber weil das so ist, erweist es sich, daß die Forderung der Emanzipation, die „die Auflösung in die Völker" nur insofern verlangt hat, als sie diejenigen, denen sie Rechte gab, auch zu Pflichten aufrief, von Seiten der Juden erfüllt worden ist. Man kann nicht von „Separatismus" reden, wo die Menschen jüdischer Abstammung alles — Sprache und Kultur, Lebensaufgabe und Lebensform — gemeinsam mit denen haben, in deren Mitte sie leben. Es ist gefährlich und schädlich in einem Augenblick, in dem Separation die bedrohliche Losung der Judenhasser ist. Der Centraiverein will diese Gemeinsamkeit des Lebens. Aber er will zugleich, d»ß das eigentümliche Wesen des Judentums in die Mitte dieses Lebens eingehe als Judentum. Er will die Einfügung der Juden in den Lebensprozeß des deutschen Volkes um seiner Fruchtbarkeit willen. Es gibt von beiden Seiten keine Gründe, das nicht zu wollen. Ja es gibt nicht einmal mehr die Möglichkeit, es nicht zu wollen. Man kann einen Tatbestand verleugnen, man kann ihn bejahen; mit Fug kann man ihn nicht bestreiten. Brunner verleugnet, der Antisemitismus bestreitet, der Centraiverein bejaht den Tatbestand, daß deutsche Juden in Deutschland als Deutsohe und Juden leben. Willensrichtung und Ziel ist damit deutlich. Der Centraiverein wird jede Entwicklung des deutschen Judentums bejahen, die sich fruchtbar für das Leben der deutschen Juden auswirkt. Er wird jede Entwicklung ablehnen und bekämpfen, die Lebensrecht und Lebensmöglichkeit deutscher Juden schmälert. Der Centraiverein führt unbeirrbar den Abwehrkampf um den Bestand des deutschen Judentums, in dem ihm jeder Weggenosse sein kann, der sich zum Leben und zur Lehre des Judentums bekennt „Die Hilfe" In Zeiten wirtschaftlicher Depression ist der Schutz der Familie vor bitterster Not erste Pflicht. Deshalb haben jüdische Männer des führenden Lebens „Die Hilfe" Versicherungsverein A.G. gegründet. Sie ist ein gemeinnütziges Unternehmen, für Mitglieder der jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches, das sich von spekulativen Transaktionen freihält, und das dazu dient, Familien aller jüdischen Kreise Schutz vor Not und Elend zu gewähren. Die große Beteiligung beweist, daß diese Einrichtung gerade heute zur unbedingten Notwendigkeit geworden ist. (Siehe hierzu die folgende Anzeige.) Dieser Nummer liegt ein Prospekt des Philo-Verlags bei über das soeben erschienene Buch von Hans Joachim Schoeps: „Jüdischer Glaube in unserer Zeit". Inhalt des letzten Heftes: Robert Arnold Fritzsche: „Im Gegenwärtigen Vergangnes". — Gustav Löffle r: Heldischer Pazifismus. — I. Heinemann: Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern III. — Ignaz Maybaum: Theologie und Politik. Betrachtungen zu Alfred Quervains Buch: Die Voraussetzungen der Politik. Mit einem Nachwort von Max Dienemann. — Leo Baeck: „Zwischen Wittenberg und Rom". — Herbert Grabe rt: Zur Psychologie des Unglaubens. Ein typologischer Versuch. — Max Dienemann: Von ,,Ur" zur Gegenwart. Glaube und Judentum, Geschichte und Politik in neuen Büchern. — S. Levi: Lebenserinnerungen. — Anzeigen.

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