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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern
Date
1932-04-01
Page
52 (sequence 11)
Language
German
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1. Heinemann seiner Lehre, ja, womöglich deren Überlegenheit zu erweisen. Mit dieser Aufgabe ringen insbesondere Jehuda Hallevi und Chasdai Crescas in sehr beachtenswerter Weise. Der Gott der Bibel, sagt Jehuda Hallevi, ist nicht der Gott des Aristoteles. „Nach jenem sehnen sich die Herzen durch Gefühl und Anschauung, zu diesem dringt nur die Spekulation". Und hatte Maimuni jene hellenische „Vergeistung" der Religion so weit geführt, daß ihm die Erkenntnis Gottes als höchste Aufgabe der Religion erschien, so setzt Crescas an Stelle der Erkenntnis die Liebe; wie durch Gottes Güte die Welt entstanden ist, so will die Thora den Menschen zur Liebe zu Gott führen. Auch diese Denker wissen sich methodisch von Seitenströmungen im griechischen Denken abhängig, auch da, wo sie den gemeingriechischen Lehren widersprechen; Jehuda Hallevi erinnert an die Forschungen hellenischer Naturforscher und Philosophen über die Bedingtheit völkischer Sonderart durch Rasse und Milieu, Crescas beruft sich, wie wir sahen, ausdrücklich auf den Eros des Empedokles. Und doch erweckt es ein Gefühl der Befreiung, wenn sie die Schranken niederlegen, an die sonst der jüdische Hellenismus des Mittelalters, im wesentlichen auch des Altertums, gebunden blieb: den Glauben an den ausschließlichen Wert hellenischer Denkformen und an die Gleichsetzung von Metaphysik und Religion. Gewiß taten sie beides vor allem als Söhne ihres Volkes, um der Eigenart seines Glaubens Lebensraum zu schaffen. Um so beachtenswerter, daß ihre Versuche nicht das Schicksal einer wohlmeinenden Apologetik erfahren haben, deren kurzfristige Geltung auf den eigenen Kreis beschränkt bleibt. Die Argumente eines Crescas gegen Aristoteles hat die Renaissance-Philosophie, auch die freigeistige, zu Ehren gebracht; und den Sinn jener Scheidung Jehuda Hallevis zwischen philosophischer und religiöser Gotteserkenntnis hat wohl erst das neuzeitliche Denken seit Schleiermacher in seiner vollen Tiefe erkennen lehren. Wenn man neuerdings geurteilt hat, das Griechentum habe dem Orient keine Renaissance, sondern nur „Konservierung und Verewigung" gebracht, so zeigt bereits die knappe Übersicht über die Gedankenbewegungen, die die HeUenisierung des mittelalterlichen Judentums hervorrief, daß diese Meinung mindestens für den jüdischen Kulturkreis stark der Einschränkung bedarf. Es ist gewiß richtig, daß eine Neugeburt der griechischen Kunst, einschließlich der Dichtkunst, im Orient nicht erfolgte, daß demgemäß ein orientalischer Lionardo oder Goethe nicht möglich wäre. Und da die Übernahme der exakten Wissenschaft der Griechen auf das Menschentum der Orientalen nur schwach wirken konnte, so bleibt als die einzige bildende Macht des Hellenentums allerdings 52

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