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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 51

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern
Date
1932-04-01
Page
51 (sequence 10)
Language
German
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Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern häufen (glücklicherweise nur für Bücher!) soll die Gefahr des fremden Geistes beseitigen. Aber auch diese Bestrebungen haben im Judentum, dem es ja an einer Zentralbehörde fehlte, lange nicht die Bedeutung gewonnen wie im Katholizismus und selbst im Islam; sie haben in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters, als sie verhältnismäßig stark hervortraten, die zunehmende Verbreitung philosophischer Lehren nicht hindern können; und als bald nach jenem Autodafe maimunidischer Schriften die Dominikaner den Talmud öffentlich verbrennen Keßen, hatte mancher jener Gegner der Wissenschaft das beschämende Gefühl, gegen die „Stimme Jakobs" mit der „Hand Esaus" gekämpft zu haben. Von großer Bedeutung aber wurde ein dritter Weg, der im Mittelalter zumal von Jehuda Hallevi und Crescas beschritten wurde. Diese Männer wollen Philosophie und lehnen es nicht ab, bei den Griechen in die Schule zu gehen; das scheidet sie von den Wissensfeinden; sie geben, abweichend von den Harmonisten, die wesentlichen Unterschiede griechischen und jüdischen Denkens offen zu; aber im äußersten Gegensatz zu den Zweifelnden und Verzweifelnden wollen sie das Recht der jüdischen Art zur Geltung bringen. Nur Menschentum, nicht Griechentum wollen sie von den Hellenen lernen. War für Maimuni, wie einst für Philon, der hellenische Weise und der jüdische Fromme gleichsam zu einem Wesenstypus verschmolzen, so treten diese jüdischen Denker methodisch neben jene Männer, zu deren Wortführer sich Vergil in den erwähnten Versen von der Sendung des römischen Menschen macht: sie erkennen willig die Überlegenheit des Hellenen, zumal auf wissenschaftlichem Gebiete, an; aber sie betonen, daß auch das eigene Volk eine Begabung und eine Bestimmung hat, die es über das hellenische nach mancher Richtung erhebt und daß es sich durch das Hellenentum nicht beirren lassen darf auf dem Wege, den Begabung und Bestimmung ihm weisen. Beide berufen sich auf das Zeugnis der Geschichte: Vergil auf die Bezwingung und Befriedung der „bewohnten Welt", die den Römern gelungen ist, Jehuda Hallevi darauf, daß die gemeinsame Urkunde der drei ihm bekannten Weltreligionen nicht hellenischen, sondern israelitischen Ursprungs ist. Während aber der Römer durch die Anerkennung seines eigenartigen Berufes mit dem Hellenentum nicht in Konflikt trat, erwächst den jüdischen Denkern, die an der Eigenart ihrer Lebensanschauung festhalten wollen, die ebenso schwierige wie reizvolle Aufgabe, den Unterschied jüdischer und griechischer Theologie kulturgeschichtlich darzustellen und systematisch das Recht des Juden auf die Behauptung 5t 4*

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