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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 39

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die Berufswahl der Jugend
Date
1932-04-01
Page
39 (sequence 9)
Language
German
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Die Berufswahl der Jugend Zustand noch so, daß wir mehr deutsche Juden in akademischen und freien Berufen tätig sehen als in der Arbeiterschaft. (Ein erheblicher Teil der in Deutschland tätigen jüdischen Arbeiter besteht zudem noch aus Ostjuden.) Wir werden diesen Zustand wohl allgemein als nicht mehr haltbar erkennen müssen. Wir erkennen fernerhin, daß auch von den Menschen, die früher die Chance hatten, Unternehmer zu werden, zum mindesten ein erheblicher Teil diese Chance nicht mehr besitzt. Wir erkennen damit, daß der Übergang von Juden in Arbeitnehmerberufe — zunächst noch freilich im weitesten Sinne des Wortes, späterhin wahrscheinlich in dem engeren Sinne der eigentlichen Arbeiterschaft — unvermeidlich geworden ist, und daß wir hierauf bei der Berufswahl unserer Jugend Rücksicht nehmen müssen. Eine solche Umschichtung, wie wir sie hier in großen Linien gezeichnet haben, trägt in sich die Gefahr der Schaffung von „gebrochenen Existenzen". Diese Gefahr wird um so größer, je stärker sich unser Nachwuchs innerlich dagegen sträuben sollte, den Weg zu gehen, der ihm von der allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Deutschland mit unerbittlicher Strenge vorgeschrieben wird. Erkennen Eltern und Söhne, Eltern und Töchter nicht, daß dieser Weg sozial nach unten führt, so werden sie auch in Zukunft noch den Ansatz zu einem Beruf wagen, dessen „ökonomische Indikation" nicht gegeben ist. Der Erfolg für den Durchschnitt liegt auf der Hand: Die Diskrepanz zwischen dem durch Erziehung und Ausbildung geschaffenen sozialen Anspruch und der in Wirklichkeit erreichbaren sozialen Stufe muß bei allen Menschen, die nicht besonders stark oder besonders indifferent sind, auch einen Bruch in der seelischen und geistigen Haltung hervorrufen, den wir deutsche Juden deshalb besonders zu fürchten haben werden, weil wir ja ohnehin in dieser Beziehung schwer genug ringen müssen. Diese Gefahr also wenigstens zu verringern, das ist die Aufgabe eines jeden Juden, der sich im Augenblick vor der Frage sieht, mit jungen Menschen über ihre Berufswahl zu sprechen. Wir haben oben bereits angedeutet, daß der ganze Fragenbezirk dadurch unendlich kompliziert wird, weil bei den meisten vor der Berufswahl stehenden jüdischen jungen Menschen eine gewisse Festlegung des sozialen Zieles bereits in ihrer Schulbildung erfolgt ist. Wir müssen dies jetzt noch dadurch ergänzen, daß wir sagen, eine solche Festlegung erfolgt im gleichen Sinne auch durch Milieu und Erziehung im Elternhause. Es ist zu hoffen, daß sowohl die Schulerziehung, als auch die durch die Eltern in Zukunft sich von vorneherein mehr als das heute der Fall ist auf die sozialökonomischen Gegebenheiten und Not- 39

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