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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 38

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die Berufswahl der Jugend
Date
1932-04-01
Page
38 (sequence 8)
Language
German
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Alfred Marcus sierung. Im Gegenteil: zieht man die romantische, gerade aus der sozialen Degradierung stammende Triebhaftigkeit dieser Bewegung als Wirkungsfaktor vom nationalsozialistischen Klassenziel ab, so bleibt hier tatsächlich in wirtschaftlicher Hinsicht nichts anderes übrig, als der Klassenkampf des deutschen Arbeiters. Es ist heute noch nicht abzusehen, wie weit dieser mit dem neuen Klassenkampf der Angestellten zu einer Synthese kommen wird, wenn einmal der Nationalsozialismus als Ausdruck dieses Klassenkampfes feste Formen gefunden hat, in denen das romantische Plakat gegenüber dem wahren „Gesicht der dienenden Klasse" zurücktritt. Für uns als Juden gibt es aber hier nur zwei Möglichkeiten der Erwägung: Entweder der Nationalsozialismus als Ausdruck des Klassenkampfes der Angestellten setzt sich durch, nicht etwa in dem undenkbaren Sinne einer dauernden und völligen Beherrschung von Wirtschaft und Politik in Deutschland, sondern in dem allein möglichen der Formulierung und Erkämpfung des nationalsozialistischen Klassenzieles — nun, dann wird die Organisation der deutschen Angestelltenschaft stets Züge tragen, welche dem Juden als Angestellten nicht gerade freundlich sein werden. Oder aber der Nationalsozialismus findet in der oben angedeuteten Weise die Synthese mit dem Klassenkampf der Arbeiterschaft: Dann wird der proletarische Zug des Angestelltentums hierdurch eher verstärkt als vermindert werden. Das ist für uns Juden sehr wichtig. Denn wenn wir uns darüber klar sind, daß der jüdische Angestellte in dieser Weise entweder Mitglied einer Klasse wird, deren politischer Träger starke judenfeindliche Züge aufweist, oder aber Angehöriger einer proletarisch betonten Gesamtklasse der Arbeitnehmer, mag es sich nun um Angestellte oder Arbeiter handeln, so ist das für unser künftiges soziales Schicksal, für die künftige Abstufung des sozialen Aufbaus im deutschen Judentum, damit aber auch für unsere künftigen sozialökonomischen Ziele von ganz entscheidender Bedeutung. Diese müssen in der Berufswahl unserer Jugend die ihnen gebührende Berücksichtigung finden. Diese Erkenntnis enthält die weitere, daß in Zukunft ein nicht unerheblicher Teil aller jüdischen Berufstätigen in Berufen mit proletarisch betonten Klassencharakter tatig sein wird — gerade auch dann, wenn es der Angestelltenschaft gelingen sollte im Nationalsozialismus ihre klassenkämpferischen Sonderziele zunächst zu verwirklichen. Denn tritt dieser Fall ein, so werden wir um so stärker eine Abdrängung unseres Nachwuchses von der Angestelltenschaft hinweg in die Arbeiterschaft hinein erleben. Das ist ein Gedanke, mit dem das deutsche .l<?d^ntum als Gesamtheit sich wird auseinandersetzen müssen. Heute ist der 38

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