Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 1 (April 1932)
- Article
- Die Berufswahl der Jugend
- Date
- 1932-04-01
- Page
- 36 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Alfred Marcus licher Teil der jüdischen jungen Menseben, die jetzt aus der Schule kommen oder in den nächsten Jahren aus der Schule kommen werden, ist mit einer; Schulbildung ausgestattet, die ihm rein formal den Übergang in einen akademischen Beruf gestattet. Das ist heute sogar die Mehrzahl. Die Minderzahl unseres noch auf der Schule befindlichen Nachwuchses erhält Volks- oder Mittelschulbildung. Also schon die Schulerziehung der jetzt heraufkommenden Generation prädestiniert sie an sich zu einem akademischen Beruf und erweckt in ihr noch dazu den Anspruch auf dessen soziale Geltung. Damit kompliziert sich das Problem noch mehr. Es ist im allgemeinen überaus schwierig, dem Abiturienten des Gymnasiums oder der Oberrealschule die Notwendigkeit zur Ergreifung eines Berufes, der im üblichen bürgerlichen Sinne auf einer niedrigeren sozialen Stufe steht als der seines Vaters, innerlich nahe zu bringen. Es kommt hinzu, daß eine zwölfjährige Schulzeit den Übergang in solche Berufe auch technisch sehr erschwert. Das Berechtigungswesen, welches sich heute in Deutschland noch so breit macht, wird voraussichtlich schon im Laufe der nächsten Jahre aus rein wirtschaftlichen Gründen stark abgebaut werden, so schwer das auch dem deutschen Volkscharakter fallen mag. Aber damit ist noch nicht die Frage gelöst, was wir mit den Menschen machen, welche die „Berechtigung" zu irgendeinem Studium nun einmal bereits erworben haben oder in nächster Zeit erwerben werden. II. Insofern wird für eine noch spätere Generation die Frage der Berufswahl schon jetzt zu einer Frage der Schulwahl. Auf dieses Problem, das der eingehendsten Erörterung wert zu sein scheint, kann im vorliegenden Rahmen nur hingewiesen werden. Es bedarf einer besonderen Behandlung, die hier nicht erfolgen soll und kann. Was ist also hinsichtlich der Berufswahl zu tun? Wenn wir diese Frage so beantworten wollen, daß aus der Antwort auch wirklich praktische Folgerungen gezogen werden können, so muß dies vor allem geschehen unter Außerachtlassung aller sentimentalen und Bequemlichkeitsmotive. Bringen wir hierzu nicht die Kraft auf, so kommen wir auch nicht weiter. Tun wir das aber, so müssen wir uns sagen, daß das deutsche Judentum als Gesamtheit seinem Nachwuchs die Ergreifung von Berufen, die auf eine hohe soziale Stufe führen, vor allem also von akademischen und geistigen Berufen, in Zukunft auch nicht mehr annähernd im bisherigen 36