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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 35

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die Berufswahl der Jugend
Date
1932-04-01
Page
35 (sequence 5)
Language
German
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Die Berufswahl der Jugend Lust zu irgend einem Beruf zeigt, noch auch eine besondere Eignung erkennen läßt, will ich ihn erst einmal Jura studieren lassen", so ist das vielleicht ein besonders krasser Fall. Aber es ist kaum anzunehmen, daß das Motiv für die Ergreifung eines akademischen Berufes in der Mehrzahl aller Fälle heute in anderen Dingen zu suchen ist als einmal in einer gewissen Ratlosigkeit, die sich in der durch das Studium ermöglichten Hinausschiebung der letzten beruflichen Entscheidung etwas beruhigt fühlt, und fernerhin in rein materiellen Gründen. Durch die hier als bekannt vorauszusetzenden zahlenmäßigen Entwicklungen innerhalb des deutschen akademischen Nachwuchses, durch die immer stärker werdenden Wirkungen des Erschwerungsprozesses in jeder akademischen Laufbahn wird freilich das materielle Motiv immer mehr in den Hintergrund gedrängt, und dies um so mehr, als ja auch die Aufbringung der Studienkosten durch den Vater des oder der Studierenden immer schwieriger und unsicherer wird. Die eingangs gekennzeichnete Entwicklungslinie, deren teilweise grobmaterielle Bedingtheit wir besprochen haben, erhält daher in der jüngsten Vergangenheit und in der Gegenwart eine ziemlich sichtbare Einknickung. Hat das deutsche Judentum einen erheblichen Teil seiner Neigung zu geistigen Berufen materiell fundiert, so muß es heute erleben, daß es auch wieder aus materiellen Gründen aus dieser Richtung abgedrängt wird. Es hat keinen Zweck hierüber zu klagen. Unter einem höheren Gesichtspunkt betrachtet liegt hierin ein Akt der historischen Gerechtigkeit, der sich noch keine Menschengruppe auf die Dauer hat entziehen können. Hätte es sich hierbei um einen wirklich rein geistigen Trieb gehandelt, so hätten die wirtschaftlichen Wandlungen der Gegenwart auf die fraglichen Verhältnisse auch nicht in dem Grade zu wirken vermocht, wie dies heute der Fall ist. Damit haben wir aber einen Teil unseres Problems nur nach der negativen Seite hin entschieden. Gut, wir sind uns darüber klar, daß das Streben nach geistigen Berufen heute und in absehbarer Zukunft von Schwierigkeiten begleitet ist und sein wird, deren Überwindung nur in einer verhältnismäßig kleinen Anzahl der Fälle möglich sein wird; damit ist denn auch die Hauptrichtung der Berufsentwicklung innerhalb des deutschen Judentums, wie sie sich seit Jahrzehnten erkennen läßt, als versperrt anzusehen. Aber in welche Berufe sollen die jungen Menschen hineingehen, denen nicht durch eine besondere angeborene Fähigkeit der Weg zu irgendeiner Tätigkeit vorgezeichnet ist: und das ist ja schließlich die Mehrzahl. Hier beginnt erst das eigentliche Dilemma, hier beginnt aber auch erst unsere wichtigste soziale Aufgabe. Ein ganz erheb- 35

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