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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 33

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die Berufswahl der Jugend
Date
1932-04-01
Page
33 (sequence 3)
Language
German
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Die Berufswahl der Jugend <3ie jetzt ins berufliche Leben tretende Generation jüdischer junger Menschen sich in einem, ganz erheblichen Prozentsatz geistigen Berufen zugewandt hätte;es ist zweifellos keine Übertreibung, wenn wir sagen, daß ohne die gegenwärtigen Hemmungen das Tempo dieser Entwicklung immer schneller geworden wäre, so daß wir es schon in ganz wenigen Jahrzehnten mit einem Überwiegen der geistigen Berufe innerhalb des deutschen Judentums zu tun gehabt hätten. Damit wäre der Endpunkt einer sozialen Aufwärtsentwicklung erreicht worden, deren Einseitigkeit ihresgleichen gesucht hätte. Ob freilich für das deutsche Judentum als Ganzes aus der Vollendung dieser Strebungen ein wahrer Vorteil erwachsen wäre, das ist eine Frage, deren Erörterung um so eher als müßig erscheinen muß, als wir ja offenbar heute einen recht kräftigen Bruch in der angedeuteten Entwicklungslinie bereits wahrzunehmen beginnen. Wir haben hier ganz bewußt die Tendenz des Juden zu einem geistigen : eruf, die in der Generationenfolge seit vielen Jahrzehnten in Deutschland nachzuweisen ist, in einen engen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation der Mehrzahl der deutschen Juden gebracht. Die Erkenntnis dieses Zusammenhangs ist von großer Wichtigkeit. Denn sie besagt schließlich doch auch, daß neben dem jedem Juden mitgegebenen, angeerbten Willen zu einer sehr hoch gearteten geistigen Tätigkeit offenbar noch eine andere Funktion ziemlich grob materialistischer Art daran mitgearbeitet haben muß, um die deutschen Juden der Richtung nach zu einer großen Gruppe von in geistigen Berufen tätigen Menschen sich entwickeln zu lassen. Es war doch nicht so, daß ganz allein der Drang nach einer geistigen Betätigung dazu ausgereicht hätte, um das deutsche Judentum so weitgehend in diese Richtung zu bringen. Wäre das der Fall gewesen, so hätte die Generationenfolge kürzer sein müssen, die ja bisher auch nur teilweise bis zu diesem Ziel geführt hat. Es waren hier vielmehr auch noch andere Motive im Spiel, die man keineswegs so hoch wird bewerten können. Es wirkte hierbei vor allem das Gefühl der sozialen Überlegenheit mit, das meistens vom akademischen Beruf, in sehr zahlreichen Fällen aber auch vom freien Beruf künstlerischer Art ausgeht. Das ist schon kein geistiges Motiv mehr. Es konnte ihm auch nur Genüge geleistet werden, wenn hierfür ein gewisser und relativ sicherer wirtschaftlicher Rahmen vorauszusetzen war. Daher in unendlich vielen Fällen der Umweg über den Gelderwerb in der Generationenfolge, der die Entwicklungslinie etwas auseinander zog. Gewiß, wir hatten und haben eine verhältnismäßig sehr große Anzahl hervorragender jüdischer Mediziner, Juristen, Naturwissenschaftler, Künstler usw. 3 33

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