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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 32

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Die Berufswahl der Jugend
Date
1932-04-01
Page
32 (sequence 2)
Language
German
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Alfred Marcus Wie war denn bisher der Gang der beruflichen Generationenfolge im deutschen Judentum? In der Mehrzahl der Fälle doch so, daß auf den ländlichen oder kleinstädtischen Händler, der etwa um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts in voller Arbeitskraft stand, der Sohn als städtischer Kaufmann mit mittelgroßem Kapital folgte, auf diesen wieder sehr häufig ein Großkaufmann oder mittlerer Bankier; der Urenkel des Kleinhändlers von i85o ist gegenwärtig in einer sehr großen Anzahl aller Fälle in einem akademischen Beruf tätig, der Enkel des Kleinhändlers von 1880 ist im allgemeinen als mittlerer Kaufmann oder Bankier tätig, der Sohn des Kleinhändlers von 1900 steht aber auch schon oft ungefähr auf diesem Niveau der beruflichen Enwicklung. Hier ist in der Generationenfolge eine gewisse Zusammendrängung festzustellen. Die große Linie der beruflichen Entwicklung des deutschen Judentums kann aber hierdurch nicht verwischt werden. Sie führte seit ungefähr 80 bis 100 Jahren in geradezu imponierender Eindeutigkeit zum geistigen, akademischen oder auch künstlerischen Beruf, zur — angeblich — höchsten Stufe des beruflichen Lebens und Erlebens. Das läßt sich auch zahlenmäßig darstellen. Von der Gesamtzahl der deutschen Erwerbstätigen kam den „freien Berufen", die im Laufe der letzten Jahrzehnte deutschen Juden im allgemeinen zugänglich gewesen sind, nur ein Anteil von ungefähr 3,5o/0 zu (nach der letzten Berufszählung). Bei den Juden waren es mehr als 10 0/0. Aber die Anzahl der Juden, die sich in freien Berufen betätigen, ist seit 1895 um ungefähr 4oo/o gestiegen. Das deutsche Judentum von 1980 befand sich noch mitten in diesem Prozeß. Wenn wir oben gesagt haben, daß mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen deutschen Juden in Handelsberufen tätig sind--nach dem Willen der Überzahl aller deutschen Juden wäre es nicht hierbei geblieben. In einer sehr erbeblichen Anzahl von Fällen wäre auch die Generation von Söhnen und Töchtern, welche jetzt auf die Kaufleute von igßo folgt, in akademische Berufe hineingegangen, hätte sich hierzu nur die materielle Möglichkeit geboten. Aber gerade die Tatsache, daß die Väter dieser jungen Menschen — eben zum großen Teile die Kaufleute von 1980, also rund 600/0 aller jüdischen Berufstätigen in Deutschland — die Grundlagen ihrer wirtschaftlichen Existenz mehr und mehr schwinden sehen, hat eine gewisse Unsicherheit in die bisher so sichere und einseitige Tendenz zum geistigen Beruf hineingetragen. Es wäre ohne die gegenwärtige weltwirtschaftliche Krise mit ihren in Deutschland zweifellos vorhandenen zusätzlichen Auswirkungen doch wohl dahin gekommen, daß auch 32

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