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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Was kommt danach?
Date
1932-04-01
Page
15 (sequence 12)
Language
German
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„Was kommt danach?" als Schicksalsgemeinschaft unter dem Druck u n gleichen Schicksals auseinanderbrechen. In Wirklichkeit ist es von einer fremden Entwicklung nur an der Oberfläche berührt worden, weil die wirklichen Bindungen jenseits von Glauben oder Unglauben und unterhajb des Bewußtseins liegen. Nicht nur in Familienbrauch und Gottesdienst, sondern selbst mitten in einem scheinbar völlig rationalen Geschäftsleben sind wesentliche Zuge jüdischen Lebens unbewußt erhalten geblieben, die jederzeit zu bewußter Kraft neu zu erwecken sind. Es gilt nun, diesen Schritt zu vollziehen und das Judentum aus pietätvoll behütetem Schlummer und dekorativem „Sonntags"dasein wieder zu einer wirkenden Kraft im Leben jedes einzelnen Juden zu erwecken. Davon allein, nicht von außerjüdischen Strömungen, hängt das Schicksal der Juden in Deutschland ab. Auch das Judentum hat „sein Schwert verkauft, um von dem Erlös die Scheide vergolden zu lassen". Gerade die bürgerlich und geistig gehobenen Schichten, die das Bekenntnis zu ihrer eigenen vieltausendjährigen Tradition „unfein" fanden, um dafür jeder Tagesmode nachzulaufen, müssen nun auch umgekehrt mit eigenem Beispiel vorangehen. Aber noch immer stehen die vorausschauend gegründeten Lehrhäuser halb leer, noch fassen Rabbiner ihren Beruf nicht immer nur dahin auf, strenge klare Hüter eines geistigen Erbes zu sein---- Von den jüdischen Parteien hat jede einen Zipfel des Einen Judentums an sich gerissen und behauptet mit ihrer Teilwahrheit das Ganze zu sein: die Orthodoxen die Tradition, der sie jede Wandlungsfähigkeit und damit alles Leben absprechen, die Liberalen die Anpassung der Tradition an das „Leben", das, selbst nicht aus der Tradition bestimmt, diese zuletzt völlig auflösen muß, und die Zionisten die Einheit von Art und Geist, nur nicht als Selbstzweck, sondern mit einer gefährlich „modernen" Zielsetzung. Führt nun aber der Weg auch auf der Straße des letzten Jahrhunderts wieder zurück, so darf er doch nicht ins Ghetto führen. Die deutschen Juden sind aufs engste mit ihrer Heimatkultur verbunden, sie können und wollen nicht ins Mittelalter zurück. Aber die Geschlossenheit alter Tradition bedingt ja auch keineswegs die Abgeschlossenheit gegenüber der deutschen Kultur. Im Gegenteil: „Den Völkern ein klares Gesicht, eine plastische Gestalt zu geben, das ist nun zwar noch nicht eine Lösung, aber doch die unumgängliche Voraussetzung einer Lösung" des Problems, die Juden in Deutschland organisch einzugliedern (Stapel). Es liegt an ihnen, sich selbst wieder die Form zu geben, die allein ihre eigene und ursprüngliche ist und aus der allein sich auch ihre feste Stellung innerhalb des deutschen Volkes begründen läßt. 15

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