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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 14

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Was kommt danach?
Date
1932-04-01
Page
14 (sequence 11)
Language
German
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Hans Bach und privater Religiosität wird schon den beiden christlichen Religionen nicht gerecht, vollends aber hat sie die geschlossene Lebenseinheit des Judentums zerstört, indem sie zu einem „Kultus" degradierte, was nicht nur Religion, sondern auch Sitte und Recht, also eine L e b e n s Ordnung gewesen war und wesensmäßig ist. So notwendig es war und ist, Formen von innen heraus umzubilden, wenn sich das Lebensgefühl ändert, so ist doch die Abschleifung der Formen, denen das Judentum Leben, Dauer und Bestand verdankt, entschieden zu weit gegangen und hat zu innerer Unsicherheit geführt, ja zu einer Verwischung der jüdischen Form überhaupt. Jetzt, wo der Glaube an die bisherige Zielsetzung erschüttert ist, zeigt sich erst deutlich, daß die deutschen Juden weder selbst ein Bild davon gewinnen noch der Welt darstellen konnten, was sie sind, sein können und sein wollen. Die Auffassung, daß sie nur eine Religionsgemeinschaft seien, hat sich als zu eng erwiesen. Dann sollten sie eine „Rasse" sein, was, auch wenn es wahr wäre, keine geistige, keine religiöse Lehre erklären, und als Bindung rechtfertigen würde, oder eine „Schicksalsgemeinschaft", deren Existenz aber doch nur reaktive, nicht aktive Bedeutung, Funktionswert aber keinen Selbstwert hätte. Wie diese Bestimmungen, zu einseitig oder zu flach, nicht ausreichen, so greift die Definition als „Volk" oder gar „Nation" zu hoch. Eine Nation waren die Juden nie und hätten sich als solche auch ebensowenig dauernd halten können wie die Nationen des Altertums und der Neuzeit, und auch die Bestrebungen, aus einer Heimstätte in Palästina ein nationales Gebilde zu formen, sind — so wichtig ein Zentrum für das ganze Judentum werden könnte! — als solche kaum erfolgversprechend, weil wesentliche innere Voraussetzungen dafür fehlen. Aber auch ein Volk sind die Juden schon seit der babylonischen Gefangenschaft nicht mehr. Sie sind weniger und mehr: ein Stamm. Denn in einem Volke treffen die verschiedenartigsten Ströme und Stämme zusammen und formen sich gegen- und aneinander, — nur in einem Stamm ist es möglich, die geschlossene, vorvölkische und erst recht vornationale Einheit von Blut und Geist, von Art und Religion, von physischer und metaphysischer Bindung zu schaffen und zu bewahren, wiesie dem Judentum eigentümlich ist.1) Die Lage des deutschen Judentums als bloßer Religionsgemeinschaft wäre bei der Schwäche der religiösen Kräfte hoffnungslos, als Rasse müßte es seit Jahrhunderten bereits völlig zersetzt sein, x) Vgl. dazu den Aufsatz ...Juden und Deutsche" von Erich von Kahler im Oktoberheft 1930 der „Europäischen Revue", der die ihm gebührende Beachtung bisher nicht gefunden hat- 14

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