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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Was kommt danach?
Date
1932-04-01
Page
16 (sequence 13)
Language
German
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Haus Bach: „Was kommt danach?" Die Eigenart des Judentums als Stamm mit eigener Tradition erhält sich durch zwei Lebensgrundlagen: Blut und Geist; die dritte, den Boden, enthält sie nicht- So wird die Eingliederung in Nationen nicht nur möglich, sondern auch nötig, um volles Leben hervorzubringen. Wie deutsches Wesen seine Form nicht aus sich selber, sondern in der Auseinandersetzung mit fremden Formen findet und bildet — alle wirklich deutschen Leistungen sind so entstanden, von Wolfram von Eschenbach über Dürer und Bach bis zu Goethe und Mozart! — so braucht die jüdische Formkraft einen Inhalt, an dem, durch den hindurch sie sich verwirklicht. Die Einwurzelung der Juden ist deshalb am besten gelungen in den deutschen Stämmen, die ihren Eigencharakter und damit zugleich eine Tradition kraftvoll ausgeprägt haben. Andererseits ist diese Tradition selbst auch nichts ursprünglich Gegebenes, sondern das Ergebnis einer langen Entwicklung, in der aus Stammesart und Boden, aus Rassenmischung und (religiös wie national) fremden Einflüssen erst in der Auseinandersetzung all dieser Faktoren eine gemeinsame Lebensform erwuchs. Wenn also weder Rasse noch Religion unbedingte Voraussetzungen dafür sind, den echten Charakter eines Stammes in sich verkörpern zu können, so bleiben nur zwei Bedingungen dafür: die Ausbildung solcher Tradition, die keineswegs bei allen deutschen Stämmen gleich weit gediehen ist, und die Geduld, dieses Einwurzeln abzuwarten und zu befördern, das sich überall, wo die Vorbedingungen dafür vorhanden waren, ganz von selbst vollzogen hat, bis die neuen Rasseweisheiten die gegenseitige Unbefangenheit trübten. Daß eine solche Verwurzelung in Großstädten länger dauert als auf dem Lande oder in kleineren Städten oder gar völlig unterbleibt, hat mehrere Gründe: neben stärkerer Freizügigkeit vor allem die Abschleifung der Formen, die die charakteristischen Unterschiede hinter scheinbarer Uniformierung verdeckt und damit nicht nur eine Auseinandersetzung und Synthese, sondern sogar schon die Erkenntnis jener Unterschiede fast unmöglich macht. Es hat freilich den Blick für die Bedeutung dieser Entwicklung nicht gerade geschärft, daß bisher die Führung innerhalb des Judentums vorzugsweise bei typischen Großstädtern lag. Über die Stellung des Judentums gegenüber der oben umrissenen EntwicMungslinie sind nur einige Andeutungen möglich, da nur die allgemeine Richtung der Linie, nicht aber ihre jeweilig wechselnde Erscheinung in bestimmten politischen Formen voraussehbar ist. Ein Judentum, das festen Halt in sich selbst trägt, wird zudem immer über die Sprecher verfügen, die seinen Rang und seine Würde zu wahren wissen. Mit dem Nationalismus, 16

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