Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 1 (April 1932)
- Article
- Was kommt danach?
- Date
- 1932-04-01
- Page
- 10 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hans Bach Norddeutschland mit sich gebracht hat, und es fällt kaum mehr auf., daß einige der wesentlichen Führer dieser Partei katholisch sind. Zwiespältig sind auch die Kirchen seihst. Der deutsche Protestantismus hat aus einer gewissen inneren Verwandtschaft heraus die nationale Bewegung weitgehend gefördert; religiöse Reaktionen darauf werden besonders dann nicht ausbleiben, wenn sich', ebenso wie in der romantischen Restauration des neunzehnten Jahrhunderts, die theologisch größere Angemessenheit des Katholizismus gegenüber einem traditional-konservativen Denksystem herausstellen sollte. Die katholische Kirche ihrerseits hat in Italien, Frankreich, Ungarn und Österreich zu lehrreiche Erfahrungen mit modernen Nationalismen gemacht, um ihnen nicht mit schärfstem Mißtrauen gegenüberzustehen. Das schließt nicht aus, daß realpolitische Gründe, wie z. B. die Rücksicht auf antiklerikale Strömungen im katholischen nationalen Laientum oder die Bekämpfung des Bolschewismus, ihr eine zeitweilige Verständigung empfehlenswert erscheinen lassen können. Um so größer wird jedoch ihr Bestreben sein, die nachwachsende Generation in einem Konservativismus zu bestärken, dessen Ziel, „Das Reich", dem Feinhörigen eine Polemik gegen das „Dritte Reich" nicht verbirgt. Einem aufmerksamen Beobachter ist schon jetzt die „katholische Haltung" der ganzen jüngeren Generation aufgefallen, die sich nicht mehr in einem Hang zu romantischer Mystik, sondern in seelischer Form, in Sinn für geistige Rangordnung und spirituelle Disziplin, für die Macht des Symbols und der Gebärde ausprägt, ohne notwendig mit einer religiösen Hinwendung zum Katholizismus verbunden zu sein. Im Gegenteil tritt religiöse Problematik immer stärker in den Hintergrund, während theologisch-dogmatische Formulierungen die Basis politischer Auseinandersetzungen zu bilden beginnen. Charakteristisch dafür wie für das allmähliche Zurücktreten des Rassegedankens zugunsten christlicherer Wertsetzungen ist eine neue Schrift Hans Blühers, die unter ausdrücklichem Verzicht auf biologische Gesichtspunkte einen schroffen Antisemitismus rein theologisch begründet. Wenn in dem gegebenen Zusammenhang vom Sozialismus in all seinen Spielarten bisher kaum die Rede war, so deshalb, weil der irrationale, konservative, theologisch-geisteswissenschaftliche Zug der ganzen Epoche — so sehr man die Dringlichkeit der sozialen Frage einsieht — mindestens in Deutschland gegen ihn ist. Das geistige Rüstzeug des Sozialismus ist der Auseinandersetzung mit seinem Gegner bisher nicht gewachsen, und die Sinn- und Wertsetzung, die die Zeit verlangt, kann gerade der Materialismus nur sehr gezwungen liefern. Freilich ist noch weniger an eine restlose Ausmerzung des 10