Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 1 (April 1932)
- Article
- Was kommt danach?
- Date
- 1932-04-01
- Page
- 9 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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„Was kommt danach?" Als erstes wird erstaunlicherweise seltener die Familie als die bündische Gemeinschaft, genannt, dann kommen als eigentlich tragende Pfeiler die Stande. Dazwischen versucht man Reste mittelalterlicher Dorfsitten, wie die „Nachbarschaften", sehr künstlich neu zu beleben und auf die heutigen Großstädte zu übertragen. In der politischen Praxis werden sich jedoch die städtischen Selbstverwaltungskörperschaften und sogar die ländlichen Genossenschaften unschwer an diese Stelle setzen; daß man sie jetzt übersieht, bedingt der Sichtwinkel vom Lande aus, der aus der instinktiven Abneigung gegen die „alles komplizierende und verflachende" Großstadt herrührt. Dieser Vereinfachung des Sehens, der im Grund immer noch der alte, leicht übersehbare Kleinstaat mit seiner einfachen Gliederung vorschwebt, gehören auch die „Autarkie"- Gedanken an, die immer wieder auftauchen; und ebenso geht der Gedanke der Ständevertretung von dem Bestreben nach klarem Aufbau und gestufter Gewichtsverteilung aus. Es wird dabei noch nicht bedacht, daß Standesvertretungen an sich keinen wirklichen Gemeingeist entwickeln werden, weil in ihnen Interessengegensätze noch mehr überwiegen als in einem Reichstag, in dem sich aus Interessen und Ideen politischer Wille bildet. Überständische Staatsmänner werden darum aus ihnen nur in ebenso seltenen Ausnahmefällen hervorgehen wie jetzt aus den Parteien. Der Wunsch, die auch in einem Ständestaat unzweckmäßige Politisierung z. B. des Soldatenstandes zu vermeiden, bedingt die Notwendigkeit einer überständischen Schicht, und zwar der leitenden. Eine etwa neu entstehende Monarchie müßte sich ebenso wie eine konservative Demokratie vor die Frage gestellt sehen, einen neuen „Adel" zu schaffen, da aus dem alten nur geringe Reste für die ihm erwachsenden Aufgaben noch geeignet erscheinen und die großbürgerliche Schicht heute sogenannter „Wirtschaftsführer" ebensowenig dergleichen hervorgebracht hat wie die Bürokratie. Je mehr aber die sichtbare Verkörperung neuer Staatsgesinnung noch fehlt, um so mehr Wert muß darauf gelegt werden, das konservative System geistig und gefühlsmäßig so komplex und total auszugestalten, daß es alle deutschen Wirklichkeiten umfaßt. Konnte schon die traditional ganz anders verwurzelte Monarchie nicht ohne religiöse Fundierung bestehen, so gilt dies doppelt von einem zwar an Traditionen anknüpfenden, aber neu erstehenden System. Auch hier bestehen scharfe Spannungen zwischen den beiden deutschen Kirchen und den ihnen zugeordneten Schichten. Es ist wenig beachtet worden, welche Veränderungen in der Haltung die Verlagerung des Schwergewichts der nationalsozialistischen Bewegung aus dem katholischen Bayern in das protestantische 9