Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 1 (April 1932)
- Article
- Was kommt danach?
- Date
- 1932-04-01
- Page
- 6 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hans Bach ersetzt den gelernten an verbesserter Maschine, der verantwortliche Unternehmer weicht der societe anonyme, der kompromittierte Generaldirektor dem Aufsichtsrat, die Konkurrenz dem Kartell, der Subvention und der Bürokratie. Besitz, seiner Dinglichkeit in Aktie, Papiergeld und Hypothek mehr und mehr entkleidet, verflüchtigt sich wie in die leere Luft, und so verliert auch die Wirtschaft in „Organisation" und Luftgeschäften zuletzt selbst die Maßstäbe, sucht die Produktion dem Konsum die Gesetze vorzuschreiben anstatt umgekehrt. Der Devise des liberalen Bürgertums, „Besitz und Bildung", wird die eine Stütze entzogen, während die andere bleibt und völlige Proletarisierung verhindert. Nun wird alles unsicher: auf die Philosophie des „Als ob" folgt die Prophezeiung „Untergang des Abendlandes", das Wort „Relativitätstheorie" wird mißverstanden und stiftet neue Verwirrung, und plötzlich ist das einzige noch Feste, das Vertrauen, verloren — man mißtraut der Vernunft, dem Fortschrill, dem Geist, der Maschine, Kapitalisten glauben nicht mehr an die sittliche Berechtigung eines guten Geschäfts noch an die Güte ihres Geldes, Wissenschaft wird in ihren Grundlagen strittig, Wahrheit eine Arbeitshypothese, Gerechtigkeit ein Kompromiß; und endlich, unter dem Druck allgemeiner Not, schießen kleinbürgerliches Ressentiment, verzweifeltes Akademikertum, kalte Interessenpolitik der Industrie, Reste religiösen Massengefühls und großagrarische Machtbestrebungen in ein labiles neues Gemenge zusammen, getrieben von dem einen Bedürfnis nach verbindlich festen Werten, dauernden Ordnungen, eindeutigen wenn auch einfachen Tatbeständen. Der Liberalismus, scheinbar noch an der Macht, sieht seine geschichtliche Stunde vorbei. II. Was kommt danach? Die Entwicklung ist zuletzt so rasch vor sich gegangen, daß weite Kreise des deutschen Bürgertums noch immer in einer Art Schreckstarre befangen sind. Trotzdem ist das Einzige, was weiterführen kann, eine leidenschaftslos klare Besinnung ohne Rücksicht auf Hoffnungen oder Befürchtungen der eigenen Situation. Der einzige zulängliche Wegweiser in einem zunächst scheinbar chaotischen Gewirr von Meinungen und Strömungen ist eine Art des Sehens, die hinter den Schlagworten des Tages die tieferen Kräfte und Tendenzen prüft, die sich erst zögernd, aber bestimmt ankündigen. Nur so ist es auch möglich, statt unverbindlich subjektiver Phantasien ein vielleicht allgemeines und unvollständiges, aber in seinen Grundzügen zutreffendes Bild ihr weiteren Entwicklung zu erhalten. 6