Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1931)
- Article
- Der König
- Date
- 1931-12-01
- Page
- 393 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der König Von da aus ist zu erfassen, warum es nach der Versündigung des Volks Gegenstand einer so intensiven Zwiesprache Mose mit JHWH, so gewaltigen Bedrängens und Gewährens ist, ob auch hinfort „das Antlitz" des Gottes mit und voran ziehen soll. Was Mose erfleht: daß JHWH Israel auch auf dem Fortgang der Wanderschaft nicht, wie er es mit andern Völkern halte (das dürfte, jedenfalls vom Redaktor aus, der Hintergrund von 33, 16b sein; das Gotteswort bei Arnos scheint darüber hinaus die unmittelbare Führung auch der andern auszusprechen), bloß durch einen Boten, sondern selber leiten möge, bedeutet: daß er Israels „Melech" bleibe. Aber schon ist in der Erzählung auch die kultisch-sakramentale Darstellung jenes Wandeins und Weilens in einem erschienen, das Zelt der göttlichen „Begegnung" oder Gegenwärtigung, dessen Urbild JHWH selber unter der Hülle des Gewölks in sechs Tagen, wie einst die Welt, schuf, um es am siebenten zu offenbaren (2^,16). die bewegliche Stätte, zu der sich nun, wie vordem zum Berg (2k, i5f.) (2), die Gotteswolke „einwohnend", wohnungnehmend (das bedeutet hier schachan: Handlung, nicht Zustand) (3) niederlassen wird. Das Zelt, dessen Mittelpunkt, die Lade als Thronsitz des „Sitzenden", vor dem Heer aus- und einziehend, schon in der Wüstenzeit „Ausdruck der örtlichen Ungebundenheit Gottes" (Caspari), auch in Kanaan nach der Ersetzung des Zelts durch einen festen Kultbau grundsätzlich beweglich bleibt — darum dürfen die Tragstangen nie herausgezogen werden (Ex. 2 5, i5 wird durch L Kö. 8, 8 gestützt) —, ist das körperhafte Zeichen gegen jede Baalisierung des Gottes, der sich keinem naturhaften Ort, nicht einmal Zion, dem Erzort seiner Einwohnung, verhaften läßt. Die Führung des Voranziehenden ist so sehr die zentrale Vorstellung israelitischen Glaubens geblieben, daß die vom Erzähler als die Bestrafung eines ganzen Volksgeschlechtes berichtete und auch im Lied (Ps. 95, 10 f.) als solche erinnerte Wüstenwanderung manchen Sängern und Kündern als eine herrliche Gnade erschien: nach dem „Der uns heraufbrachte aus dem Land Ägyptens" ist „Der uns gehen ließ (molich) durch die Wüste" dem Propheten (Jer. 2, 6; vgl. Am. 2, 10) wie dem Psalmisten (i36, 16) der Ruhmestitel JHWH's; ich vermute sogar, daß die Volksetymologie bei diesem molich (vgl. auch Jes. 63, 12) dem Hörer die Vorstellung des melech auftauchen ließ (U). Und so bleibt es auch in dem Bilde der künftigen Befreiung; wie der Leitwidder das Gatter des Pferchs aufstößt, so „steigt der Durchbrecher vor ihnen, / sie brechen durchs Tor, ziehn heraus, / ihr König zieht ihnen voran, / JHWH ihnen zu Häupten" (Mi. 2, 13). 393