Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1931)
- Article
- Der König
- Date
- 1931-12-01
- Page
- 391 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Martin Buber: Der König Gottes" nennen wird, weil im Traum der Gott darüber stand. Der spricht zu ihm; er verheißt ihm dreierlei: dieses Land, in das einst seine Nachkommen von dem göttlichen Führer geführt werden sollen: die Mehrung und Breitung des Stammes, wie sie dem Stammesgott obliegt; und zum dritten seinen Beistand auf dem Weg, den Jakob jetzt zu gehen hat: „Da, ich bin bei dir, / ich will dich hüten, wo all hin du gehst, / und will dich heim zu diesem Boden bringen, / wohl, ich verlasse dich nicht. / bis daß ich tat, was ich dir geredet habe." Der Gott ist nicht dem Ort verhaftet an dem er erscheint; er weilt zwar an ihm, aber nur als an einer Stätte der Manifestation; und auch der Himmel, aus dem seine „Boten" niedersteigen und seines Winks gewärtig an ihm vorüberziehn, hält ihn nicht fest: er wandert mit seiner Kreatur, er bleibt ihr nah, er steht ihr bei, wo immer sie steht. Er folgt Jakob in die Fremde, er kehrt mit ihm in die Heimat zurück. Wenn es an der Zeit ist, ruft er ihn an (3i, 3): „Kehre in das Land deiner Väier, zu deiner Verwandtschaft! / ich will dasein bei dir." Aber der ganze Vorgang ist bestimmt, sich auf breitrem Plan zuj wiederholen. Von seinem Sohn Josef nach Ägypten geladen, wo, wie (i5, i3) dem Ahnen der Gott angesagt hatte, seine Nachkommen ins vierhundertste Jahr verknechtet und bedrückt werden sollen, hört der alte Jakob-Israel (46, 2 ff.) wieder im Nachtgesicht, wie einst zu Bethel, die Stimme des El: „Ich selber / ziehe mit dir nach Ägypten hinab / und ich selber / bringe dich wieder herauf, ja herauf!" Gilt das „Heraufbringen" dem Leichnam, der aus Ägypten nach Kanaan ins Erbgrab getragen werden wird (Kap. 5o)? Es gilt darüber hinaus dem „großen Stamm", der in Ägypten erwachsen soll und dessen dereinstige Heimfahrt schon dem Abraham angesagt worden war (i5, r4. 16). Darum auch sind die Worte „dort lasse ich dich zu einem großen Stamme werden" nicht, wie angenommen zu werden pflegt, als eine den Zusammenhang unterbrechende Glosse anzusehn; durch sie wird das Folgende verständlich. Man schreibt von den drei Gottessprüchen an Jakob, die ich herangezogen habe, die beiden ersten der jahwistischen, den dritten der elohistischen Quelle zu. Mir scheinen sie trotz der Verschiedenheit der Gottesbezeichnungen des gleichen Geistes, des gleichen Gepräges zu sein. Es geht darum, am Lebensgang des letzten der Erzväter das Walten des Mitgehenden, des Führergottes aufzuzeigen. Wie es in der Patriarchengeschichte darauf ankommen muß, JHWH von den kananäischen Kultstätten zu lösen, so in der Auszugsgeschichte darauf, ihn vom Sinai zu lösen. Es darf nicht geschehn, daß der Berg, der der Ort seiner 39t