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Der Morgen · 1931-10-01 · Heft 4 (Oktober 1931) · p. 377

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 4 (Oktober 1931)
Article
Die Schaustellung Gottes [Rezension]
Date
1931-10-01
Page
377 (sequence 5)
Language
German
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Die Schaustellung Gottes den Heiland, verbunden mit der fanatischen Anbetung des 2X2 4 und der Rentenrecbnung, der jüdische Haß gegen die Idealität, gegen das Geheimnis, gegen Gott"II Eine so fulminante These muß immerhin noch etwas erläutert werden. Das geschieht mit der Behauptung, „der autochthone Geist des Judentums" behalte „selbst dort, wo er sich in die allerspiritualistischsten Höhen verliert", noch immer „den Charakter des Materialismus, der sich verstiegen hat"; und immer bleibe er rationalistisch. „Die Annahme, daß die Wirklichkeit aus jenen Dingen bestehe, die man beweisen, womöglich abtasten kann, dieser himmelschreiende Nonsens ist eine jüdische Erfindung. Das jüdische Volk hat in zahllosen Kriegen den äußersten Heroismus und die blindeste Todesverachtung bewiesen, aber immer aus sehr realistischen Gründen. Alle großen jüdischen Reformatoren waren Realpolitiker, das jütische Ritual besteht im wesentlichen aus sanitätspolizeilichen Vorschriften und die höchste Idee des Judentums, der Messiasgedanke, ist verstiegen, aber keineswegs weltfremd, sie ist ein konkretes Hirngespinst." Deshalb, so läuft diese Betrachtung aus, habe sich die Erbitterung des Judentums gegen Christus nicht als den Neuerer, nicht gegen den Bekämpfer der Hierarchie, nicht gegen den Anwalt der unteren Schichten gerichtet, sondern gegen den gefährlichen Frondeur, der zu verkünden wagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt"; hier liege eigentlich „die vollständige Aufhebung und Umkehrung des spezifisch jüdischen Weltgefühls". Gerade die Schlußkonstruktion, auf die hin Friedell sein abstraktes Hirngespinst vom jüdischen Geist zuspitzt, ist völlig schief. Das angeführte Evangelienwort ist allerdings von zentraler Wichtigkeit, aber in einem ganz anderen Sinn. Jesu Anspruch, König der Juden zu sein, mußte zunächst ganz wörtlich verstanden werden. In dem Verzicht auf irdische Machtansprüche, während doch zugleich die königliche Sendung noch stärker betont wird, liegt der Anspruch auf Anerkennung als Messias. Diese Anerkennung hat das Judentum abgelehnt. Das Evangelienwort selbst aber widerspricht in keiner Weise den Anschauungen des Judentums, — erst die Auseinanderreiß ung göttlicher Gnade und weltlicher Sünde, also die paulmische, allegorische Interpretation der Stelle, schafft einen Widerstreit zwischen jüdischem und christlichem Weltgefühl. Damit fällt aber Friedells hohle Scheidung — hie rationalistisch-materialistisches Judentum, dort metaphysisch-transzendentes Christentum — in sich seihst zusammen. Die „Beweise", die Friedell im einzelnen anführt, zeigen, dürftig aus allen Ecken und Enden zusammengeklaubt, schon von weitem seine Verlegenheit Der rationalistische Materialismus, der sich in die allerspiritualsten Höhen versteigen kann, erinnert an Herrn von Münchhausen, der sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpfe zieht. Vielmehr will mir scheinen, daß gerade die spiritualste Seite des Christentums stark unter jüdischem Einfluß steht. Wann, wo und von wem die reizende „jüdische Erfindung" gemacht wurde, die als Wirklichkeit nur das Greifbare anerkennt, hat der Kulturgeschichtler zu sagen vergessen. — Sollte sie ad usum Delphini von ihm selbst stammen? Oder will er etwa die Metaphysik eines philosophischen Materialismus für jüdisch erklären? Noch 377

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