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Der Morgen · 1931-10-01 · Heft 4 (Oktober 1931) · p. 378

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 4 (Oktober 1931)
Article
Die Schaustellung Gottes [Rezension]
Date
1931-10-01
Page
378 (sequence 6)
Language
German
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Hans Bach: Die Schaustellung Gottes mysteriöser ist die Behauptung, „das jüdische Volk" habe „in zahllosen Kriegen" die größte Tapferkeit gezeigt, und zwar „immer aus sehr realistischen Gründen". "Von jüdischen Rexsläufern ist mir nichts bekannt, noch, weniger von Kriegen des jüdischen Volkes seit dem Altertum. Wenn also Friedeil nicht der Verleumdung geziehen werden will, muß er schon sagen, was er sich dabei gedacht hat. Die Eigenschaft, Realpolitiker zu sein, teilen die jüdischen Reformatoren mit allen übrigen; es müßten da schon besondere Unterschiede aufgezeigt werden, schwerlich, aber würden sie dem Beweis günstig sein. Mit der Behauptung aber, das jüdische Ritual bestehe „im wesentlichen" aus sanitätspolizeiliohen Vorschriften, überschätzt Friedell seine Kompetenz, auf Grund seiner Abstammung ohne weitere Kenntnisse über jüdische Fragen mitzureden. Er hat von einer liberalen Theologie läuten hören, die einzelne Stücke so zu erklären versuchte, aus einer ähnlich ästhetischen Religiosität heraus, wie Friedell sie noch heute bekennt, und ohne Sinn für das Ganze des Glaubens, aus dem sich überall einzelne Gebote und Symbole erst erklären. Die christliche Theologie hat sich zeitweise der gleichen Sünde schuldig gemacht; dürfte man also etwa Strauß' „Lehen Jesu" zur Grundlage einer Polemik gegen das Christentum nehmen? Auch der Messiasgedanke ist nicht der höchste Gedanke des Judentums; der ist: Gott. Doch ist der Messiasgedanke ein genau so „konkretes Hirngespinst" wie — das Christentum! Denn der Erlösergedanke bleibt, in Vergangenheit oder Zukunft verlegt, doch der gleiche. Das also ist Friedells ganze „Begründung" so schwerwiegender Behauptungen,—eine Mischung aus leerem Gerede, Unkenntnis und bösem Willen. Übrig bleibt nur noch der Grundzug der ganzen Polemik (sicherlich auch Friedells Rechtfertigung dazu vor sich selbst): der angebliche „jüdische Haß gegen die Idealität, gegen das Geheimnis, gegen Gott". Nicht den leisesten Zug führt er zum Beweis an; all seine Argumente könnten, sogar wenn sie zuträfen, höchstens den Rationalismus, nicht einmal den Materialismus jüdisohen Geistes belegen; und Rationalismus braucht, wie gerade Mendelssohn dartut, mit keinerlei Art von Haß oder Ressentiment zu tun zu haben. Trotzdem, wie steht es damit? Die Forderung, ein Volk von Priestern und ein heiliges Volk zu sein, spricht nicht gerade gegen Idealität. Den „Haß gegen Gott" wollen wir Friedells armem Haß verzeihen; den trägt nicht ein ganzes Volk in der Brust, und der einzelne, der in Gott sich selbst haßt, ist nicht zu beneiden. Und der Haß gegen das Geheimnis? Ich dächte, das Judentum hätte das Gebot empfangen: „Du sollst Dir kein Bildnis machen"?! Herr Friedell selbst begeistert sich (II, 58) für die barocke Auffassung der Kirche als „theatrum Dei", was er mit „Schaustellung Gottes" übersetzt. Er muß uns gestatten, das deutsche Wort wieder zurückzuübersetzen: wir meinen, es käme dann „Profanation" oder gar „Prostitution" Gottes heraus. Wo ist mehr Idealität, wo mehr Geheimnis, wo mehr — Gott? 378

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