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Der Morgen · 1931-10-01 · Heft 4 (Oktober 1931) · p. 375

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 4 (Oktober 1931)
Article
Die Schaustellung Gottes [Rezension]
Date
1931-10-01
Page
375 (sequence 3)
Language
German
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Die Schaustellung Gottes induktive und Spinozas deduktive Form einzugehen. Friedell wäre dann vielleicht auf die Idee gekommen, daß das seine Gründe habe. So aber spielt er unverfroren auch die Mystik gegen Spinoza aus: es sei „heillose Verwirrung" dadurch entstanden, daß man ihren und Spinozas Pantheismus in eine Reihe gestellt habe, denn sie komme „zu ihrem Prinzip der Allgöttlichkeit nicht durch logische Schlußfiguren, sondern durch das religiöse Erlebnis", und zwar „aus tiefster Ehrfurcht und höchster Gläubigkeit und nicht aus Nihilismus und mathematischer Marotte". Es ist sehr bequem, sich selbst den Popanz zu konstruieren, den man dann virtuos bekämpft. Aber von einem Mann, dem es angeblich auf Weltanschauungen, nicht auf Systeme ankommt, müßte man erwarten, daß er von Spinozas Visionen gehört hätte und den Amor Dei intellectualis wenigstens erwähnte; denn dessen Zusammenhang mit der „mathematischen Marotte" ist doch nicht so ohne weiteres zu sehen I Aber Friedell ahnt nichts von dem GTundproblem Spinozas, wie intuitiv empfangene Erkenntnis in einer die Zeiten überdauernden Form gültig zu fixieren sei, so daß sie weder sich selbst noch der Erfahrung widerspricht; er hätte sonst auch die Ähnlichkeit mit Pascal bemerkt, den er in den Himmel hebt, und auch' Spinozas Rationalismus nicht mehr so auffallend gefunden in der Erwägung, daß andere Mystiker in noch rationalerer Form, nämlich in Gesetzen, ihrer mystischen Erfahrung Körper gaben. Natürlich läßt Friedell auch die Gelegenheit nicht aus, dem Judentum eins auszuwischen. Er empört sich über den Bannfluch gegen Spinoza, „dessen ganze Schuld darin bestand, daß er ein gedankenvolleres, friedfertigeres und weitabgewandteres Leben führte als seine Stammesgenossen. Da es aber von jeher gute jüdische Tradition war, die Propheten zu steinigen, so liegt in diesem Vorgang nichts Auffallendes." Mit der Behandlung von Propheten pflegt man sich entweder vor der Mitwelt oder vor der Nachwelt zu blamieren, — es kommt darauf an. Wenn Friedell dem Steinigen „humanere" Mittel wie Folter und Inquisition, Scheiterhaufen und Index vorzieht, so ist das Geschmackssache; es genügt, an Galilei und Giordano Bruno zu erinnern. Die Schuldfrage liegt ähnlich wie in diesen Fällen, ja die Gefahr für eine Marann eingemeinde, die erst auf dem Weg zurück zum Judentum war, mußte viel größer sein als für die fest gegründete Kirche, die sich dennoch nioht auf symbolische Mittel beschränkte. Aber auch Friedell „tut nur so, als ob" er diesen Bann übelnähme: er selbst hätte ein viel wirksameres Mittel gewußt, — er hätte den Denker einfach ins Irrenhaus gesteckt! Denn er „steht nicht an", dessen System „für das Werk eines bewunderungswürdig scharfsinnigen Geistesgestörten zu erklären"!! Da Spinoza nämlich „von einer exzessiven, penetranten, alles zerfressenden und aufsaugenden, pathologischen Logik" war (dieweil er, wie oben gezeigt, die ungesunde Angewohnheit hatte, geometrico modo zu denken!) und da, wie ein Zitat von Chesterton beweisen soll, „gewisse Irrsinnige sich durch tadellose Logizität auszeichnen", so — muß der Philosoph eben irrsinnig gewesen sein. Die Konsequenz des spinozistischen Denkens findet Friedell „nicht natürlich, nicht menschlich und wahrscheinlich auch nicht göttlich", denn „sowohl die Natur wie der 375

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