Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1931)
- Article
- Die Schaustellung Gottes [Rezension]
- Date
- 1931-10-01
- Page
- 374 (sequence 2)
- Language
- German
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Hans Bach nicht die Lehrgebäude seien für ihn von Bedeutung, sondern die Weltanschauungen, legen die Frage nach seiner eigenen Position nahe. Er bekennt sich zu dem katholischen Christentum des Wiener Barock, einem eklektischen Christentum ohne Dogmen und Bindungen, orientiert allein an der Lehre Christi. Es ist eine ästhetische Ethik, in der sich mystische und rationale Züge seltsam mischen, die Ethik des Schauspielers, der sich in die Gestalten wandelt, die er darstellt, ohne doch verwandelt zu werden. Dieser wandlungsfähigen Einfühlung versagt sich nur ein Gebiet: der unwandelbare, gestaltlose Glaube. Die Grenze zwischen Weltanschauung und Glauben ist auch die Grenze von Friedells Verständnis. Was darüber hinausliegt, verfolgt er mit fanatischer Unduldsamkeit. So bekommen die englischen Puritaner Friedells Abneigung zu spüren (II, 4i). Er spricht ihnen kurzerhand das Christentum ab und kennzeichnet sie als — Juden! Denn das Judentum ist der Inbegriff des Glaubens, den er bekämpft, und zwar mit solchem Haß, daß ihn die Mittel wenig kümmern. Nicht nur darin, sondern auch in dem schuldbewußten Gefühl, siqh selbst zu bekämpfen, erinnert er an seinen unglücklichen Wiener Landsmann Weininger. Ein Beispiel für die Methoden, zu denen Friedell in solchen Fällen greift, ist die Darstellung Spinozas. Friedell behandelt ihn vor seinem Lehrer Descartes. So wird nur dem aufmerksamen Leser deutlich, welch verschiedene Beurteilung die gleichen Anschauungen und Methoden finden, je nachdem der Lehrer oder der Schüler sie anwendet. Bei Descartes ist die mathematische Methode der „gigantische Versuch", Existenzgesetze a priori zu finden, oder — nach einem glänzenden Bild Friedells — ein „magisches Koordinatenkreuz", das die irrationale Wirklichkeit bannt. Die cartesianische Ethik wird sinngemäß als „Analyse der menschlichen Leidenschaften, sozusagen Algebra der Passionen" erklärt. Nun, bei Spinoza sehen die gleichen Dinge ganz anders aus (II, 46 ff.): „Da er der Überzeugung war, daß sichere Erkenntnis nur gewonnen werden könne, wenn sie sich der mathematischen Methode bediene, so beschloß er, sein ganzes System geometrico modo zu demonstrieren." Hier ist mit geschicktem Helldunkel offen gelassen, was für Spinoza die mathematische Methode war: eine Denk- oder eine Daxstellungsform. Ein paar Seiten später aber läßt Friedell den Philosophen „ausschließlich geometrico modo" denken! Darf man ihm wirklich glauben, er hätte den Unterschied zwischen dem Denken selbst und der Form, in der dessen Ergebnisse dargestellt werden, nicht begriffen? Würde er wirklich von einem Denker, der etwa ein System in Versen darstellte, sagen, er denke in Versen? Kein Wunder, wenn sich aus einer solchen Beweisführung ergibt, Spinoza zersetze die Objekte seines Denkens, und es bleibe ihm nichts zurück als „eine leere Gleichung aus einem Gott, der ein Nichts ist, und einer Welt, die weniger als ein Nichts ist". Ein hübscher Einfall, — Spinoza als Beispiel zersetzenden (jüdischen natürlich) Intellekts! Descartes' Anteil an Spinozas System ist durch den Trick, erst in einem späteren Kapitel von ihm zu reden, unter den Tisch gezaubert worden. So erübrigt es sich auch, auf „Kleinigkeiten" wie Descartes' 374