Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 3 (August 1931)
- Article
- Der Fall Harlan
- Date
- 1931-08-01
- Page
- 301 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Bab: „Der Fall Harlan" Deutschen Erzähler" und der Schutzverband Deutscher Schriftsteller" angehören; dieser Reichsverband hat einen vom Reich zur Verfügung gestellten Unterstützungsfonds zu verwalten. Zur Aufnahme in dieses Gremium hatte sich nun auch der „Deutsche Schriftstellerverband" gemeldet. Harlan hielt dessen Teilnahme an dieser allgemeinen Organisation für berechtigt, setzte sich dafür ein und setzte sie auch schließlich durch. Meiner Meinung nach übrigens irrte er insofern, als dieser „Deutsche Schriftstellerverband" zu seinem überwiegenden Teil Dilettanten und nicht wirkliche Schriftsteller von Beruf enthält. Aber sicher ist, daß Harlan bei seiner Haltung von reinem Gerechtigkeitsgefühl geleitet war. Die leicht begreifliche Opposition gegen seine Stellungnahme aber konzentrierte sich nun darauf, daß der von ihm begünstigte Deutsche Schriftstellerverband nationalistisch und antisemitistischen Charakters sei. „Obgleich der Gesamtvorstand des Deutschen Schriftstellerverbandes den Vorwurf des Antisemitismus immer wieder abweist, mit restlos klaren Worten und offenbar so leidlich zu treffend, wie man eben die alberne Forderung überhaupt erfüllen kann, eine Art Glaubensbekenntnis abzulegen für einen Verband von i5oo Mitgliedern." (So in Harlans Rede.) — Trotzdem hörte nun der Vorwurf des Antisemitismus gegen Harlan nicht mehr auf. In wie hohem Maße dieser Vorwurf aber unsinnig war, das läßt sich in diesem Falle, wo es sich um einen Schriftsteller von ethischer und bekennerischer Leidenschaft handelt, klar beweisen. Walter Harlan war — durchaus eine Seltenheit unter den Schriftstellern unserer Tage — ein Mann von religiöser Leidenschaft. Diese Leidenschaft überkonfessioneller Art saß als lehrender Wille in seiner Produktion. „Gott sein heißt arbeiten" war sein Motto, und den „Willen zur Frucht" in allen Konfessionen als eigentlichen Kern erscheinen zu lassen, war seine in immer neuen Versuchen gestaltete Absicht. Als eine törichte Schrankensetzung in dem Gottesreich, an das er glaubte, war ihm Antisemitismus besonders fatal. Er hat einmal den Vers veröffentlicht: „Der Judenhaß bei denen groß ist, Mit welchen sonst nichts weiter los ist." Er hat in seinem schönen Lustspiel „In Kanaan" (gewidmet „Hermann Gunkel, dem Erklärer der Genesis") ein altbiblisches Motiv, die Geschichte von Tamar, im Sinne seines Glaubens liebevoll gedeutet. Und er hat in dem reizenden kleinen Buch „Er schnarcht" geradezu ein Tendenzwerkehen gegen den Antisemitismus geschaffen. Es ist die Geschichte einer jungen Jüdin, die mit einem jungen christlichen Gelehrten verehelicht ist und der der „Sparrenteufel" einreden will, es gäbe unüberbrückbare Blutfremdheit, Fremdheit der Menschenrassen zwischen ihnen — „metachemische Strahlen"! Aber dies Buch gibt die Antwort: „Wenn sie auch etwas wären, diese Strahlen, die nichts sind, nichts, garnichts und überhaupt nichts, so würden sie doch überwunden durch die Liebe zu Gott. Denn weil wir in ihm leben, weben und sind, ist alles Blut sein Blut." — Das also war Walter Harlans Meinung in Sachen des Judentums. Und da er bestimmt hatte, daß der Schreiber dieses Aufsatzes als sein bester Freund und als Gefährte in seinem 30t