Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 3 (August 1931)
- Article
- Der Fall Harlan
- Date
- 1931-08-01
- Page
- 300 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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„Der Fall Harlan" Von Julius Bab Am i4- April dieses Jahres starb der Schriftsteller Walter Harlan. Sein Tod war ungewöhnlicher Art. Es war eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller im Eden-Hotel zu Berlin. Harlan, seit zwanzig Jahren in der Leitung des Verbandes tätig und seit Jahren Vorsitzender, war in letzter Zeit heftig angegriffen worden. Er hatte seinen Vorsitz niedergelegt und erklärte seinen Standpunkt mit einer kurzen Rede, die mit den Worten schloß: „Ganz gewiß, ich werde die schmerzlichen zehn Minuten, wo ich diese Rede gehalten habe, niemals vergessen". Er setzte sich, und eine viertel Minute später fiel er, von einem Herzschlag ergriffen, vom Stuhl und starb. Dieser merkwürdige Tod eines vortrefflichen Mannes interessiert uns hier in einem besonderen Sinn. Denn unter den Vorwürfen, die gegen Harlan gerichtet wurden, und die also wenn nicht die Ursache doch der Anlaß zu dem jähen Tod des herzkranken Mannes wurden, stand obenan der Vorwurf des Antisemitismus. Er wurde von einer größeren Oppositionsgruppe, besonders aber auch von einigen prominenten jüdischen Mitgliedern der Verbandsleitung erhoben. Für die Art, wie die Atmosphäre dieser Zeit schon den Sinn von Juden und Nichtjuden vergiftet hat, und wie Nervosität und Verständnislosigkeit auf jüdischer Seite nicht selten dazu beitragen, die unglückliche Frage des Antisemitismus auch dort aufzurollen, wo sie wirklich gar nicht hingehört, — für diesen verhängnisvollen Zustand auch der jüdischen Psyche in unseren Tagen bedeutet der Fall. Walter Harlans ein so deutliches und so warnendes Beispiel, daß man ihn einmal näher betrachten muß. An sich ist es eine sehr häufige Erscheinung, daß dem Manne, der viele Jahre lang die eigentliche Arbeit in einem Verbände getan hat, schließlich eine Opposition erwächst von anderen, Jüngeren, die nun auch einmal heranmöchten. Das ist in der Regel der eigentliche Grund. Aber Vordergründe sind immer nötig, um die Auslösung zu bringen. Und über sie gibt Harlans letzte Rede, die mir im Manuskript vorliegt, ausreichend Auskunft. — Seit einigen Jahren existiert ein „Reichsverband deutschen Schrifttums", dem außer dem Bühnenschrift- Stellerverband auch der „Verband der 300