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Der Morgen · 1931-08-01 · Heft 3 (August 1931) · p. 282

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 3 (August 1931)
Article
Der Prozeß Jesu im Lichte der neuesten Forschung
Date
1931-08-01
Page
282 (sequence 7)
Language
German
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Walter v. Hauff Den Evangelisten war die Erzählung von der Begnadigung eines Gefangenen willkommen für den ganzen Aufbau ihres Berichtes, weil sich so die Teilnahme des Volkes an dem Verhör Jesu vor Pilatus von seihst erklärte. Wie jedes Jahr zur Passahzeit zieht die Menge auch diesmal vor den Palast des Prokurators und erbittet einen Gefangenen. Sonst wüßte man nicht, wie das Volk Zeuge des Verfahrens hätte werden sollen; denn die in der Nacht erfolgte Verhaftung Jesu konnte am frühen Morgen noch nicht allgemein bekannt sein. Im einzelnen weichen die Darstellungen des Verhörs wieder stark von einander ab. Die Axt des Verhörs widerspricht durchaus den Gewohnheiten der römischen Richter, und vor allem ist es unmöglich anzunehmen, daß die Hohepriester bei den Volksmassen herumgegangen sein sollen, um sie gegen Jesus aufzuhetzen. , Eine Fülle unlösbarer Rätsel geben uns weiter die Einlagen auf. Da ist zuerst die Erzählung von dem Selbstmord des Judas (Mt. 27, 3 ff.), durch die die Schuld des Hohen Rates noch unterstrichen werden soll Bekanntlich wird sein Ende, Apostelgeschichte 18, 1 ff., ganz anders erzählt. In der zweiten Einlage (Mt 27, 19) erfahren wir, daß zu Pilatus, während er auf dem Richterstuhl sitzt, ein Bote von seinem Weih kommt, der ihm in ihrem Auftrag sagt: „Laß die Hände von dem Gerechten da! Ich habe heute im Traum viel durchgemacht um seinetwillen!" Auch' dieser Geschichte merkt man die Absicht an, die Schuld des Hohen Rates und des Volkes zu vergrößern. Schließlich setzt sich angeblich Pilatus seihst noch für Jesus ein (Mt. 27, 2 4 ff.). Wir sehen ihn auf seiner Richterbühne umtobt von einer rasenden Menge, die immer heftiger die Kreuzigung Jesu fordert Er versucht, die Leute zur: Ruhe und zur Vernunft zu bringen, aber seine Bemühungen werden nur mit immer neuen Wutausbrüchen beantwortet Da nimmt er schließlich Wasser und wäscht sich die Hände vor dem Volk. Das ist eine rein jüdische Sitte, wie 5. Mose 21, 6 f. zeigt, worauf wieder Psalm 26, 6 und 73, i3 weisen. Dazu zitiert Pilatus aus 2. Samuelis 3, 28 die Worte Davids, mit denen der König seine Unschuld an dem Mord beteuert Niemand, der auch nur eine Ahnung von einem römischen Prokurator hat, wird es ernst nehmen, daß er jüdische Sitte annimmt und Bibelverse zitiert Ebensowenig die Bemerkung in Vers 2 5: „Das ganze Volk sprach: «Sein Blut komme über uns und unsre Kinder!»" Das ganze Volk! Was sollen wir uns darunter vorstellen? Man kann doch nicht eine lärmende Menge das ganze Volk nennen. Selbst wenn wir das Unmögliche annehmen, daß Tausende vor der RichteiS- 282

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