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Der Morgen · 1931-08-01 · Heft 3 (August 1931) · p. 222

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 3 (August 1931)
Article
Die große Krise
Date
1931-08-01
Page
222 (sequence 12)
Language
German
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Hermann Funke könne — derselbe Luther hörte auf der Wartburg mit seinen eigenen Ohren den Teufel vor seiner Schwelle sein Wesen treiben, um ihn zu versuchen. Nur solange etwas von dem lebt, was man abfällig „Religion der Primitiven" nennt, kann Religion überhaupt leben. Wie stehen nach alledem die Aussichten für uns Menschen von heute? Können wir hoffen, jemals wieder zu den Urquellen religiösen Lebens zurückzufinden? Wir können es. Wir dürfen annehmen, daß unser Zustand von heute nur als vorübergehende Gärung, nur als Geburtswehen einer neuen Zeit zu deuten ist. Es läßt sich wohl sagen, daß die große Revolutionierung unseres Weltbildes heute im Wesentlichen beendet ist Gewiß mag es der Wissenschaft der Zukunft gelingen, viele noch unerschlossene Kräfte in den Dienst des Menschen zu stellen, eine Fülle neuer Erkenntnisse zu sammeln und alte scheinbar gesicherte umzustoßen. Aber keine Errungenschaft der Zukunft, kein Raketenflugzeug, kein interplanetarischer Verkehr oder was es sonst sein mag, wird den Menschen noch einmal derartig aus der Rahn werfen, wird so sehr jahrtausendealte Regriffe über den Haufen werfen können, wie etwa (um zwei beliebige Reispiele aus einer großen Fülle herauszugreifen) jene Entdeckung der Astronomie, daß die Erde alles andere als Mittelpunkt des Welth alls sei, oder etwa die beispiellose Revolutionierung unserer Zeit- und Raumvorstellungen durch Dampf kraft und Elektrizität Was uns auch die Zukunft an neuen Errungenschaften bescheren mag, wir werden sie doch nur mit stets wachsender Gelassenheit aufnehmen, mit stets geringerer Ehrfurcht. Ist es nicht schon heute soweit, daß unsere Vorstellung vom naturwissenschaftlich Möglichen und Erreichbaren kaum noch Schranken kennt? Was haben diese Feststellungen zu bedeuten? Sie haben zu bedeuten, daß wir allmählich beginnen werden, uns in der neuen Welt, die das Zeith alter der Naturwissenschaft schuf, heimisch zu fühlen. Sie wird für uns das Ungewohnte und Faszinierend-Neuartige verlieren. Das Gefühl des Gebieters und Triumphators gegenüber der Welt und den Naturkräften, das uns heute so sehr erfüllt, wird allmählich abstumpfen und zu etwas Alltäglichem werden, weil der Reiz der Neuheit nicht ewig dauern kann. Daß wir aus dem Gefälle eines Flusses elektrische Energien gewinnen können — genug, um ein ganzes Land zu versorgen, wird im Laufe der Zeit für uns ebensowenig ein Grund zur Vermessenheit sein, wie für den Menschen früherer Zeiten die Fähigkeit, mit Wasserkraft Korn zu mahlen. Dann werden wir dahin kommen, daß wir wieder die Macht der Natur über uns erleben lernen. Wir werden uns 222

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