Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 3 (August 1931)
- Article
- Die große Krise
- Date
- 1931-08-01
- Page
- 223 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die große Krise. Das Geschlecht ohne Gott wieder der schmal gezogenen Grenzen unserer eigenen Macht bewußt werden. Wir werden wieder unsere eigene Kläglichkeit, unsere Gebundenheit und Abhängigkeit spürerii-'Und dann wird sich auch das elementare religiöse Erlebnis wieder einstellen, das keine philosophische Betrachtung über die wunderbare Ordnung und Zweckmäßigkeit der Natur sein wird, kein rationalistisches Reflektieren über die „Wunder in uns und um uns", sondern das aus den tiefsten und ursprünglichsten Trieben gespeiste Grauen vor der unheimlichen Allgewalt der Kräfte, die in der Welt wirksam sind, auf keiner „höheren." Stufe stehend als das Mana- und Tabuerlebnis der Eingeborenen in Afrika und Neuseeland. Diese neue „Elementarreligion" der Zukunft wird natürlich, unserem veränderten Weltbild entsprechend, anders aussehen als die der früheren Zeit Mancher Mythus, der die Menschheit durch die Jahrtausende begleitet hat, wird mit dem alten Weltbild für ewig gestorben sein. Was an seine Stelle treten wird, vermag heute noch niemand zu sagen. Vielleicht — aber das ist nur gewagtes phantastisches Spekulieren — wird die Menschheit von religiösem Schauer ergriffen werden vor dem, was sie heute nur mit dem stolzen Gefühl des allmächtigen Schöpfers betrachtet,- vor den großen Werken der Technik. Doch wie auch dieses neue Erlebnis des Göttlichen aussehen mag, es wird und muß der Menschheit zuteil werden. Und dieses beruhigende Bewußtsein muß uns Heutigen vorerst noch genügen. Es sagt uns, daß eine Zeit bevorsteht, in der die Welt wieder eindeutiger und klarer werden wird, in der wieder Friede und Festigkeit in das menschliche Leben einzieht Denn wenn der Menschheit das elementare religiöse Erlebnis wiedergeschenkt wird, dann wird auch der Eine, Allmächtige, der Himmel und Erde geschaffen hat, wieder ihr Besitz werden. Er wird aus nebelhaft verschwommenen Fernen wieder herabkommen zu den Menschen und sichtbar über ihr Dasein leuchten in seiner Kraft und seiner Klarheit, und mit ihm im Bunde wird es auch gelingen, die anderen großen Menschheitsprobleme, die auf uns lasten, zu klären und zu bewältigen. Denn was wäre dem unmöglich^ der seines Gottes gewiß ist?! 223