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Der Morgen · 1931-08-01 · Heft 3 (August 1931) · p. 213

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 3 (August 1931)
Article
Die große Krise
Date
1931-08-01
Page
213 (sequence 3)
Language
German
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Die große Krise. Das Geschlecht ohne Gott lieh vielen fehlt, ist die letzte Antwort auf das Wozu und Wohin. Uns fehlt das letzte große Ziel, das über die Forderungen des Tages und der Stund© hinausweist Die Generationen vor uns hatten es. Für sie bildete die Nation unumstritten den höchsten Wert im Reiche der Politik. Das Vaterland, die Nation, war das, wofür jeder bereit sein mußte, in den Tod zu gehen. Heute ist die Nation als letztes politisches Ideal durchaus problematisch geworden. Es gibt Unzählige — und es scheinen nicht gerade die Schlechtesten zu sein —, die sich keineswegs an dem Gedanken begeistern können, für das Vaterland, oder zum mindesten: nur für das Vaterland zu sterben; und doch — wie gern würden sie etwas haben, wofür sie wirklich bereit sein könnten, zu sterben. Derjenige, welcher heute noch im altüberkommenen politischen Wertgefühl Befriedigung findet, sieht den Weg, den Deutschland gehen muß, geradlinig und eindeutig vor sich, auf Jahrzehnte hinaus wenigstens, vielleicht auch für alle Ewigkeit: Durch Macht und Gewalt wurde Deutschland zur Strecke gebracht, durch Macht und Gewalt muß es sich darum wieder in die Höbe bringen. Es gilt, nach Beseitigung aller Rüstungsbeschränkungen, die Wehrkraft der Nation bis zum Äußersten anzuspannen, starke Bundesgenossen zu sichern, und dann, auf kein anderes Recht pochend als auf das des Starkeren, die alten Machtpositionen, eine nach der anderen, zurückzuerobern. Und als letztes großes Ziel denkt man, je nach dem Temperament des Einzelnen, entweder an eine saturierte deutsche Großmacht, etwa von der Stärke und von dem Ansehen des Kaiserreichs bis zu Bismarcks Entlassung, das in allen Fragen der Weltpolitik ein gewichtiges Wort mitzureden hat, — oder, im Stil überhitzten Hitlertums, an ein gigantisches Weltreich, das keine andere Losung kennt als erstarken und wachsen, solange es auf Erden noch Raum zum wachsen gibt Das ist eine klare Losung, die niemand, der ihr folgt, über seine Pflicht und über die Stelle, an der er zu stehen hat, im Zweifel läßt Aber wie ist es mit denen, die von einem Ekel gepackt werden bei dem Gedanken, daß es mit den Beziehungen zwischen den Mächten in alle Ewigkeit so weiter gehen soll wie bisher, daß es nie etwas anderes geben soll als ein dauerndes Rauben und Wiederzurückholen, ein gegenseitiges Belauern und Bewachen, das Außenpolitik niemals zu etwas anderem werden läßt als zur Vorbereitung künftiger Kriege? Diese „anderen" haben wohl ein lebendiges Gefühl dafür, daß Kräfte am Werke sind — zaghaft genug vorerst noch —, um die Weltpolitik auf neue Grundlagen zu stellen; sie Avissen, daß es einen 213

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