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Der Morgen · 1931-04-01 · Heft 1 (April 1931) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 1 (April 1931)
Article
Das bunte Kleid
Date
1931-04-01
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Thomas Mann: Das bunte Kleid Bezeichnungen für den Steineleser nun lauteten, war von jeher unter der Hand an Sondergaben und zärtlichen Aufmerksamkeiten, an hübschen Töpferstücken, Huldsteinen, Purpurschnüren, Skarabäen dies und jenes zugekommen, was dann die Brüder mit finsteren Brauen in seinem lässigen Besitz sahen, und um was sie sich verkürzt fanden; an Ungerechtigkeit, eine grundsätzliche und fast lehrhaft betonte Ungerechtigkeit, hatten sie Muße gehabt, sich zu gewöhnen. Dies aber war ein Geschenk von erschreckender Art und eines, wie zu befürchten stand, entscheidenden Sinnes; es bedeutete einen Stoß vor den Kopf für sie alle. Hier ist der Hergang. Es war Zeltwetter, die Spätregen waren in Gang gekommen. Jaakob hatte sich nachmittags in sein „härenes Haus" zurückgezogen, dessen verfilztes Gewebe, schwarz, aus Ziegenhaar, über feste Stangen gespannt und mit starken Seilen an den gerammten Pflöcken befestigt, vollkommenen und sicheren Schutz vor der Segensnässe bot Eis war das größte der ziemlich weit verteilten Siedlung, und als reicher Mann, der darauf hielt, den Frauen ein eigenes Obdach zu bieten, bewohnte der Herr es allein, obgleich es durch ein an den mittleren Pfählen von vorn nach hinten hindurchgezogenes Gehänge in zwei Räume geteilt war. Der eine diente als Privat-Magazin und Vorratskammer: Kamel-Sättel und -Taschen, unbenutzte Teppiche in gerolltem und zusammengelegten Zustande, Handmühlen und anderes Gerät lagen umher, und Schläuche mit Getreide, Butter, Trinkwasser und aus eingeweichten Datteln gekeltertem Palmwein waren aufgehängt Die andere Abteilung war der Wohnraum des Gesegneten und zeigte im Verhältnis zu der halbbeduinisch lockeren Lebensform, an der er festhielt, viel Wohnlichkeit Jaakob brauchte diese. Seine Ablehnung dauernder Bindung durchs Städtische hinderte nicht, daß er einigen Behagens bedurfte, wenn er sich zu Betrachtung und denkerischer Gottesarbeit vor der Welt in sein Eigenstes zurückzog. Auf der Vorderseite in Manneshöhe offen, war der Boden des Gemachs mit Filz und darüber noch mit Teppichen in Buntwirkarbeit warm bedeckt, von denen andere sogar die Wandgehänge überkleideten. Ein Bettlager, mit Decken und Kissen belegt, aus Zedernholz, stand auf erzenen Füßen, im Hintergrunde. Mehrere Tonlampen auf verzierten Untersätzen, flache Schalen mit Schnauzen für die Dochte, brannten hier immer, denn armselig und einem Gesegneten nicht anständig wäre es gewesen, im Dunklen zu schlafen, und auch bei Tage unterhielt die Bedienung immer das öl, damit nicht eine Redensart die schlimmen Untersinn führte, auch nur im eigentlichen Sinn anwendbar würde und man nicht sagen könne, Jaakobs Lampe sei erloschen. Bemalte 13

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