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Der Morgen · 1931-02-01 · Heft 6 (Februar 1931) · p. 525

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 6 (Februar 1931)
Article
Geist und Blut
Date
1931-02-01
Page
525 (sequence 11)
Language
German
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Geist und Blut ist darin noch mehr als ein Vergleich; denn in seinem Grunde ist dies eines: fortgeworfen sein von Gott fort, vom Geiste fort und in das Altsein hin. Geist, das Ebenbild Gottes, ist Jugend. Damit wird die menschliche Jugend zum Gebote; es gibt eine Entscheidung zu ihr, diese Entscheidung zu dem Geiste. Jugend kann eine Leistung sein wollen, nicht selten ein metier gewissermaßen, und ein oft gewaltsames Bemühen um jedes Heute. Und sie kann eine Romantik sein, ein Tagtraum, ein Hinüberträumen zu der Zeit, wo die Vergangenheit und das Blut jung waren. Beides ist Jugend als Selbsttäuschung, als Wahn. Bestimmung des Menschen über sich selbst und damit Wirklichkeit ist die Jugend durch den Geist; durch ihn allein, durch die Einheit, die er dem Leben schafft, offenbart sie sich. Jugend und Einheit durch den Geist ist das eigentliche Gebot des Lebens, die große Aufgabe: du sollst leben. Jeder Mensch, wenn er der Kindheit entwächst, wird zwiespältig und bisweilen vielspältig. Aus den Tiefen seines Seelischen, aus seinen Vergangenheitsträumen tritt so manches zum Bewußtsein hin; in Verborgenheiten seines Wasens ist er dann und wann ein Verbrecher, dann und wann ein Heiliger und ein Held. Und aus den Bereichen des Tages kommen Bilder, in denen er sich sieht, zu ihm hin, zu seinem Suchen und Trachten, Bilder des Drängens und Jagens, und er erblickt sich als einen anderen, als den Überholenden und Gewinnenden am Ziele. An diesem Auseinander und Gegeneinander will der Geist mit seinem Schöpferischen, mit seinem Vermögen, menschliche Einheit zu geben, sich beweisen, er nimmt Vergangenheit und Entwicklung zu eigen, um sie einzuordnen und einzufügen. Ohne ihn kehrt immer die Spaltung wieder, und sie muß zuletzt im Innern zur steten Entzweiung oder zur Verflachung werden. Geistlosigkeit führt immer entweder unter den Bann der Vergangenheit und des Traums oder in den Zwang des Fortschritts und der Hast. Wenn der Mensch im Bezirke seines Blutes, seines Triebhaften verharrt, umfängt ihn immer wieder das Wähnen, und er bleibt dem Werdenden und Tatsächlichen gegenüber in der Verneinung, in der des Ressentiments und seines Radikalismus. Und wenn er immer im Ausschließlichen der Leistung und ihres Betriebhaften ist, dann bleibt er gleich fern von den Tiefen und von der Zukunft, er ist, in allem „Fortschritt", stets nur im Mittelmäßigen; er ist im Besten ein Mensch, der von sich selber hefriedigt ist, ein Mensch des „guten Gewissens" — es gibt kaum einen mittelmäßigeren Begriff als den dieses sogenannten guten Gewissens, 525

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