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Der Morgen · 1931-02-01 · Heft 6 (Februar 1931) · p. 524

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 6 (Februar 1931)
Article
Geist und Blut
Date
1931-02-01
Page
524 (sequence 10)
Language
German
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Leo Baeck ist das Wort von dem Bunde zwischen Gott und der Erde, zwischen Gott und den Vätern. Fast könnte man im Gleichnis dafür auch sagen: der Bund zwischen Geist und Blut, durch den der Mensch mit seinem Leben zur Begegnung zweier Welten wird. Der Geist im Menschen und das Blut im Menschen sind zueinander gewiesen. Zu einer höheren Einheit soll dieser polare Gegensatz gelangen, zu der Einheit des Schicksalhaften und des Bildenden, Verwirklichenden, zu dem Bunde der Vergangenheit, aus welcher der Mensch sein Leben nicht lösen kann, die als sein Blut in ihm rollt, und des Schöpferischen, Göttlichen, das als sein Geist in ihn gelegt ist, damit er im Gestalten eine Freiheit bewähre. Gewordenes und Gebietendes, Gegebenes und Aufgabe, Daseiendes und Bestimmung finden ihre Einheit. Durch die Vergangenheit hat der Geist seinen Stoff, den er formen kann, und durch den Geist gewinnt die Verj-» gangenheit ihren Ausdruck und damit ihre Richtung. Nicht mehr der Kreis mit seinem Verhaftenden und nicht mehr die Spirale mit ihrer letzten über-» Steigerung, sondern der Weg von Geschlecht zu Geschlecht, die Bahn zur Zukunft kann nun Bild und Bezeichnung sein. Dieses Eigene des Geistes, das sich in dieser Spannung zur Vergangenheit und zur Leistung erweist, stellt sich auch als die Jugend dar, die immer in ihm gegeben ist. Vergangenheit ist Alter, und im Wesen der Leistung liegt es, daß} sie überholt wird und damit veraltet ist. Geist ist der Widerspruch hiergegen, die Distanz zu dem nur Gewesenen und zu dem Modernen, nur Heutigen; seine Kraft ist die des Schaffens, und das heißt doch, des Erneuens und Verjüngens. Wissen und Denken ohne den lebendigen Geist ist entweder bloßer Intellekt, der ja nur zur Leistung hingehört, oder ist bloßes Gedächtnis, das ja nur in der Vergangenheit seinen Ort hat; beides, bloßer Intellekt und bloßes Gedächtnis, bedeutet Alter und bewirkt Alter. Geist dagegen ist Jugend und läßt den Menschen trotz aller Vergangenheit und in aller Leistung jung sein, so lange das menschliche Daseinswerkzeug, der Körper, noch Werkzeug ist. Älterwerden ist Sache des Ganges der Jahre. Altsein, im Innerlichen, Seelischen es sein, bezeugt ein Ermangeln des Geistes oder, von der menschlichen Aufgabe her, die Sünde wider ihn; solches Altsein ist nichts anderes als geistlos sein und damit gottlos sein. Ein durch die Bibel, um zu ihr wiederum hinzuführen, angedeuteter Vergleich stellt es so zueinander. Zweimal ist in ihr, in den Psalmen^ das harte Wort „Fortwerfen" gesprochen, beidemal zu dem Menschen hin. Zuerst: „Wirf mich nicht fort von Dir, o Gott, und deinen heiligen Geist nimm nicht von mir!" Und dann: „Wirf mich nicht fort in eine Zeit des Altseins!" Es 524

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