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Der Morgen · 1930-10-01 · Heft 4 (Oktober 1930) · p. 322

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 4 (Oktober 1930)
Article
Not, Hilfe und Fürsorge
Date
1930-10-01
Page
322 (sequence 8)
Language
German
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W. Eliasberg Ich glaube in diesen Worten enthüllt sich ebenso wie in denen, die der Dichter dem Crainquebille in den Mund legt, in wahrhaft erschütternder Weise, was wir meinen: Das zwar ungefüge, in Worte nicht zu fassende, aber um so tiefere Erlebnis, daß sich in der Not der Sinn des Seins enthülle. II. Wir haben nun den Weg abgesteckt, der uns in das Innere der Not führen kann. Freilich der Weg nach Innen geht durch das Reich der dynamischen Zusammenhänge, wo es keine starren Ursachen und Wirkungen mehr gibt, sondern alles herüber- und hinüberschwingt. Hier, wenn irgendwo, gilt das von Wundt so genannte Gesetz der Heterogonie der Zwecke und der schöpferischen Synthese. Das einmal Herausgestellte lebt sein eigenes Leben, und niemand kann vorhersehen, was daraus werden wird. Die Not von innen gesehen, zeigt dieselbe Problematik und Schwierigkeit, wie die Erfassung des Charakters. Die Begriffe Anlage, Milieu, Entwicklung stellen nur den Käfig dar, innerhalb dessen das Dasein lebendig ist. Aber darum bleibt doch die Aufgabe als solche bestehen, und jedes einzelne Erfassen dieses Zusammenhanges ist fruchtbarer als aller Schematismus. III. Die Fürsorge hat die Aufgabe, den____ Lebensbedarf zu gewähren---- Sie soll den Hilfsbedürftigen in den Stand setzen, sich und seinen Angehörigen den Lebensunterhalt zu beschaffen... (Reichsgrundsätze.) Ebenso Wilhelm Hagen in Klumker-F estschrif t, S. io4: „Ziel jeder fürsorgerischen Arbeit ist es, den Hilfsbedürftigen endgültig von seiner Hilfsbedürftigkeit zu befreien." Jede wirtschaftliche Betätigung und jede Lebensregung überhaupt ist daran geknüpft, daß Aufwand getrieben werden kann im Dienste des Zieles. Es müssen Zwischenstrebungen, Zwischenregungen geopfert werden. Wünsche müssen zurückgestellt werden; an diesem Wegdrängenkönnen kommt die Kraft des Ziels zum Bewußtsein. Aber es ist nicht so, daß das Verdrängte einfach verschwindet; sondern hier gilt ein Gesetz, das den Aufstellungen der Psychoanalyse analog ist. Das Verdrängte gibt seine Energie her. Ohne die Verdrängungen würde die Energie des Bezielten nicht ausreichen. Ausschließlichkeit der Strebung kann es nur geben, wenn eben etwas ausgeschlossen werden kann. In diesem prinzipiellen Sinne also heißt, jemand wieder in den Stand setzen, ihn über das Minimum hinausheben. Das Minimum selbst ist eben, 322

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