Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1930-08-01 · Heft 3 (August 1930) · p. 298

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 3 (August 1930)
Article
Zum Verständnis der "Bekenntnisse" des hl. Augustin
Date
1930-08-01
Page
298 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895491-2895495-2900788--04515-2900897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

August Jos. Arand getrieben wird; ein Genie, das durch tiefe Kenntnisse und ungewöhnlichen Scharfsinn weit über sein Zeitalter hinausragt und dennoch, sich selbst überlassen, in viele Irrtümer des Geistes und des Herzens verfiel, einen Menschen, der nach Lust, nach Glück und Ehre strebte, und unter dem Vorwande, es sei nichts gewiß, sich seinen ungebändigten Leidenschaften überließ. Als er die Wahrheit gefunden und eine Entschuldigung zur Umkehr nicht mehr hatte, selbst dann schwankte und kämpfte er noch, bis er ihrem Lichte und ihrem Rufe endlich folgte. Das ist es, was Augustin mit lebendigen Farben schildert und zwar deshalb schildert, damit alle, die in gleichen Verirrungen vergeblich suchen, nun aufatmend ihm dahin folgen, wo allein das wahre Glück gefunden wird. Daher sein unsterbliches Wort: „Du hast uns, o Gott, für dich geschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir." Es beginnen sodann Betrachtungen über die Fähigkeiten des Menschen; über die Wunder des Gedächtnisses, eine Prüfung des Gewissens. Alles voll tiefer Blicke in die Laster: Wollust, Wißbegierde, Stolz. Wir finden heiße Gebete zu Gott um das Verständnis der Heiligen Schriften, die er ein ausgebreitetes Firmament nennt. Wir stoßen abwechselnd auf geistreiche, kühne und erhabene Untersuchungen über die Natur der Zeit und das Wesen der Ewigkeit. Der erste Teil des Werkes ist die Geschichte der menschlichen Seele, die Wahrheit und Glück fern von Gott sucht; die letzten Abschnitte führen den Leser zu Höhen und Tiefen der Philosophie, so, daß die Bekenntnisse ganz zu genießen, nicht vielen gegeben ist. „Sie sind kein Buch für jedermann, aber doch für manche; und sie werden immer wieder Leser finden, die davon im innersten Herzen ergriffen sind." (Hertling.) IV. Fragen wir nach dem Zwecke des Werkes, so ist zu beachten, daß es nach der Bischofsweihe Augustins verfaßt wurde, also gegen das Jahr 4oo. Er wollte die Verleumdungen richtigstellen, die gegen sein früheres Leben im Schwange waren. Es ist, als wollte er seinen Verleumdern sagen: Ihr haltet mich für schuldbeladen und ich bin es; vielleicht mehr, als ihr glaubt, aber doch nicht so, wie ihr es vermutet. Als der Comes Darius das Büchlein von ihm erbat, schickte er es ihm mit folgender Bemerkung: „Betrachte mich in diesem Buche und lerne mich kennen wie ich bin, damit du mich nicht über Gebühr lobest. Du mußt dich an mich und an das halten, was ich selber von mir sage und nicht an das, was andere sagen. An meinem Bilde in diesem Buche kannst du sehen, was ich aus mir und durch mich selber gewesen bin. Wenn du jetzt etwas an mir findest, was dir gefällt, so lobe mit mir jenen, den ich für das gelobt sehen will, was er in mir gewirkt hat. Denn zu seiner Ehre habe ich von mir geredet, nicht um meinetwillen." (Brief 231.) Die Wirkung auf den Leser war gewiß nicht die einzige Absicht seiner Bekenntnisse. Leopold Stolberg spricht unsere Überzeugung aus, wenn er sagt: „Ich möchte fast glauben, daß Augustinus, wäre er auf einer öden Insel im fernen Ozean und versehen mit Feder und Tinte gewesen, diese Ergüsse zu seiner eigenen Demütigung und Erbauung würde aufgezeichnet haben." 298

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.