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Der Morgen · 1930-08-01 · Heft 3 (August 1930) · p. 297

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 3 (August 1930)
Article
Zum Verständnis der "Bekenntnisse" des hl. Augustin
Date
1930-08-01
Page
297 (sequence 2)
Language
German
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August Jos. Arand eher den jüdischen „Brochaus" (Lobpreisungen) nahe. Petrarca bezeichnet das Werk als ein „tränenfeuchtes Buch", da wahre Reue und dankbare Liebe das Herz bis zu Tränen rühren können. Bevor wir näher auf den Inhalt, den Zweck und die Sprache eingehen, sei eine Bemerkung gestattet. „Selbstbekenntnisse" sind nicht einfache Selbstgeständnisse, die auf die Frage, ob etwas geschehen ist, mit ja oder nein antworten. Sie sind vielmehr Urteile, Aussprüche eines Menschen über sein Leben und Wirken im einzelnen oder über das Ganze. Selbstbekenntnisse sind das Ergebnis eines Gerichtes über sich selbst. Sie setzen also eine richtige Kenntnis der ewigen Gesetze der Wahrheit, Schönheit, Gerechtigkeit und vollkommenen Tugend voraus Wer diese richtige Kenntnis nicht hat, ist wie ein Staatsanwalt ohne Gesetzeskenntnis; es fehlt der sichere Maßstab für das Urteil. „Selbstbekenntnisse" sind nicht denkbar ohne eine alles umfassende Kenntnis des handelnden Menschen, Kenntnis also des Gegenstandes, der mit dem ewigen Gesetze zusammengestellt und nach ihm beurteilt werden muß. „Selbstbekenntnisse" bedingen schließlich alle jene Kräfte und Gaben, die zu einem wahren, gerechten Urteil oder Richterspruch erforderlich sind. Und all dies wird in ein und derselben Person vorausgesetzt. Augustinus hatte sämtliche dieser Bedingungen erfüllt. Sein Geist umfaßt und durchdringt das ganze Gebiet der theologischen Wissenschaft, ja der ganzen Wissenschaft seiner Zeit; seine Allseitigkeit wird mit Recht gerühmt. Damit vereinigt er eine Tiefe und einen Scharfsinn des Denkens, die ihn den größten Geistern ebenbürtig zur Seite stellen. Die große Klarheit und Kraft des Denkens ist bei ihm verbunden mit einer lebhaften und feurigen Einbildungskraft, einer außerordentlichen natürlichen Beredsamkeit, mit einer seltenen Menschenkenntnis und Erfahrung, und endlich mit einer großen Milde und Güte des Herzens. Kein Wunder, wenn Hertling von den „Bekenntnissen" sagt: „Es handelt sich hier nicht um eine ganz eigenartige, sondern um eine der tiefsinnigsten Schöpfungen der Weltliteratur. Es ist ein religiös-philosophisches Betrachtungsbuch, worin Augustinus stellenweise mit einer bis dahin unerhörten Feinheit psychologischer Beobachtung (Seelenforschung) den leisesten Regungen des Menschenherzens nachgeht. Vor den meisten, ja vielleicht von allen eigenen Personalbeschreibungen sind die Konfessionen ausgezeichnet durch die yollkommene Aufrichtigkeit des Verfassers". (Vorrede zu „Bekenntnissen '). in. Man darf nicht erwarten, den ganzen Augustin in den Bekenntnissen zu finden. Er hat sich über seine Person sehr häufig in anderen Schriften ausgesprochen, immer in liebenswürdiger Offenheit und demütiger Bescheidenheit. Das Werk sollte nicht eine seelenkundige Zergliederung seines Lebens sein, sondern ein Erbauungsbuch, eine Art Lobgesang auf den, von dem ihm „Erbarmen widerfahren". Die Erzählung erstreckt sich von seinem Säuglingsalter bis zum Tode seiner Mutter Monika; an ihrem Grabhügel in Ostia beendet er seine eigene Geschichte. Wir sehen darin einen Geführten menschlicher Schwäche, einen Mann, der von großen Leidenschaften, Zweifeln, Verirrungen und heißen Kämpfen umher- 20 297

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