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Der Morgen · 1930-08-01 · Heft 3 (August 1930) · p. 293

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 3 (August 1930)
Article
Jakob Loewenberg zum Gedächtnis
Date
1930-08-01
Page
293 (sequence 4)
Language
German
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Jakob Loewenberg zum Gedächtnis in der er berichtet, wie aus der Enge der Vorurteile, der er auf Schritt und Tritt als Jude ausgesetzt ist, er sich zu der Mutter flüchtejt, dieser einfachen Frau, die der Sohn erst das Lesen lehren mußte: Wie er von seinen Enttäuschungen erzählt, und wie sie ihm dann — alle Wünsche des eigenen Herzens niederkämpfend — den Vorschlag macht, auszuwandern und in der Neuen Welt eine neue Heimat zu suchen. Der Sohn schwankt: „Aus der Heimat, aus dem Vaterland?" Auf immer getrennt von dem „guten Ort", wo die toten Lieben in Frieden schlummern? Da erinnert ihn die Mutter an das Talmudwort, das sie als Kind gelernt hat, daß Gott, als er den ersten Menschen aus Staub erschuf, diesen Staub von den vier Enden der Erde nahm, damit der Mensch nirgends in der Fremde, überall in der Heimat sei, überall1 verbunden mit der Mutter Erde, von der er genommen wurde. Eine Ge<Hchteammlung Loewenbergs trägt den Titel „Kämpfen und Bauen". In einer früheren Auflage nannte er sie „Aus jüdischer Seele". Dieser Namenswandel ist ein Sinnbild. Zeigte der erste Name das Fundament seines Wesens, so offenbart der spätere Weg und Ziel. Der Weg, den Jakob Loewenberg ging, war niemals leicht. In seinem wiederholt erwähnten biographischen Roman lassen die Kapitelüberschriften „Mein Schulweg", „Lernjahre", „Im Amt", „Auf der Universität", „In England", „Heimkehr", „Schatten", „Allein", „Hamburg" den Werdegang des Mannes erkennen, lassen aber auch den mühevollen Aufstieg, das Kämpfen und Bauen ahnen. Loewenbergs erste Wohnung in Hamburg lag unmittelbar am Hafen. Diese Wahl wirkt rückschauend wie ein Symbol. Nach den mannigfachen Kämpfen und Enttäuschungen seines bisherigen Lebens sollte Hamburg für Loewenberg der Hafen werden, in dem seine Seele Atem schöpfen und dann erst ganz sich entfalten konnte. Hier in Hamburg erst ist er, als Leiter seiner Schule, als Pionier in der Volksbildungsarbeit, zu dem erfolgreichen Pädagogen herangereift, hier erst durch Wort und Schrift zum femsinnigen Dichter geworden. Loewenberg gehörte dem sogenannten Hamburger Dichterkreis an, der um die Jahrhundertwende das geistige Antlitz der Stadt entscheidend gestaltete. Der Blick auf den Hafen von Loewenbergs erster Wohnung war noch aus einem anderen Grunde von symbolischer Bedeutung. Die aus dem Doppelquell — Erdenenge und Himmelsweite — geborene Seele des Dichters und die Doppelseele Hamburgs — nirgends konnten sie sich besser begegnen als hier am Hafen, wo der Rhythmus der ein- und auslaufenden Schiffe, der eigen- 293

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