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Der Morgen · 1930-08-01 · Heft 3 (August 1930) · p. 294

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Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 3 (August 1930)
Article
Jakob Loewenberg zum Gedächtnis
Date
1930-08-01
Page
294 (sequence 5)
Language
German
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Bruno Italiener tümliche Geruch des Wassers, der scharfe Wind, der schon den frischen Hauch des nahen Meeres an sich trägt, sich mit dem dahinter liegenden Hamburg, in dem die Türme, die Brücken, die Häuser, die Menschen so schwer und fest und sicher im Heimatboden verankert sind, zu einem immer wieder fesselnden, unvergeßlichen Bilde vereinen. Und noch ein letzter Grund, der Loewenberg mit dem Hafenviertel verband: Er wollte denjenigen auch räumlich nahe sein, die verurteilt sind, auf der Schattenseite des Lebens ihre Tage zu verbringen. ,,Wie viele sind's, die ausgeschlossen Von dieser Erde reichen Gaben". so heißt es im Vorwort zu der wiederholt aufgelegten, inzwischen vergriffenen Schrift J}In Gängen und Höfen", die Freud und Leid der in den armseligen Gassen der Großstadt lebenden Menschen zum Gegenstand hat. Wiederum ist es das Jüdische in seinem Wesen, das ihn antreibt, sich in oft leidenschaftlicher Parteinahme auf die Seite der Schwachen, der Enterbten zu schlagen, ein Nachhall jahrhundertelangem leidvollen Erlebens seines Stammes, ein Nachhall eigenen Erlebens. Es ist der Pädagoge, der Menschenerzieher, der dem Dichter die Feder führt. Wenn Karl Julius Weber meint, daß man zum Erzieher ebenso wie zum Künstler geboren sein müsse, so trägt dieses Wort viel zum Verständnis von Loewenbergs Persönlichkeit bei. Er war zum Lehrer geboren. Darum ist es mehr als eine Äußerlichkeit, ist es der Ausdruck seines eigensten Empfindens, daß Loewenberg seinen biographischen Roman mit den Worten einleitet: „Was willst du werden?" „Lehrer!" Loewenberg fühlte in seinen besten Augenblicken, er war zum Lehrer berufen, wie er zum Künstler berufen war. In Loewenberg fanden diese beiden Seiten seines Lebens eine besonders glückliche Vereinigung. Die künstlerische Seite machte ihn hellsichtig für die Fehler und Schwächen der ihm Anvertrauten, mehr aber noch für das Gute, das Göttliche, das keiner Menschenseele mangelt, und die pädagogische Seite seines Wesens half ihm, das mit der Seele Erschaute im einzelnen Fall individuell nutzbar zu machen. Dem Künstlerischen verdankte Loewenberg jene Fülle der Phantasie, die ihn befähigte, das ganze Reich der Schöpfungim Gewände des Märchens seiner Volkserziehungsarbeit dienstbar zu machen, und das Pädagogische bewahrte ihn davor, sich im bloß Spielerischen, Traumhaften, Phantastischen zu verlieren, ständig die Verbindung mit der Erde und den kleineren Forderungen des Tages aufrecht zu erhalten. 294

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