Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 6 (1930-1931)
- Issue
- Heft 3 (August 1930)
- Article
- Jakob Loewenberg zum Gedächtnis
- Date
- 1930-08-01
- Page
- 292 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bruno Italiener für den Wert der eigenen Art. Darum ist eines der wesentlichsten Kennzeichen von Loewenbergs Dichtungen das eigentümliche Kolorit, das ihnen anhaftet, bewirkt durch die Landschaft, in der die Gestalten seiner Phantasie stehen, bewirkt durch den Menschen, den deutschen Juden, der diese Gestalten schaut. In seinen jüngeren Jahren waren es Berg und Tal, die schlichten Dorfgestalten seiner westfälischen Heimat, die sein Dichterauge fesseln, später ist es das Niederdeutsche, das ihn anzieht, das seltsam Undurchsichtige der Luft, das Verhangene des Himmels, die Schwere, die zeitweilig auf Mensch und Tier und Pflanze, die auf der nebeldurchwogten Landschaft zu liegen scheint. Um so dankbarer ist der Dichter für die hellen Tage, die alles verwandeln. Da trinkt seine Seele förmlich die Eindrücke: die Weite des Meeres, das Zittern der Dünengräser, den Zug der Möwe, dem das Auge sehnsuchtsvoll folgt, die sonnige Stille und Einsamkeit der Heide. Loewenberg hat wiederholt auf die „zwei Quellen" seines Wesens verwiesen: Heimat und Glauben. Zu beiden, auch zum Glauben, hat die Liebe zur Natur den Dichter geführt Es ist eine der gemütvollsten Stellen in seinem biographischen Roman, wie der Knabe auf dem Wege zur Schule täglich im Walde an einer hohen mächtigen Buche vorbeikommt und nicht vorübergehen kann, ohne stehen zu bleiben, sich an den Stamm des Riesenbaumes zu lehnen und leise zu beten. Der Abschnitt schließt mit den Worten: „Ein Hauch der Andacht umweht mich noch jetzt, wenn ich an meinen Baum im Walde denke." Diese Stelle ist auch noch aus einem anderen Grunde bezeichnend. Es ist das Jüdische in Loewenbergs Wesen, das hier zum Durchbruch gelangt So stark das Naturgefühl des Dichters auch ist, sein Judentum bewahrt ihn davor, daß dieses Empfinden sich ins Allgemeine, ins Pantheistische verflüchtigt. Nicht vor der Natur, sondern vor Gott, dessen geheimnisvolles Walten er hinter allem Wachsen und Weben ahnt, sinkt der Dichter anbetend in die Knie. Und dieser Gott ist ihm bewußt der Gott seines Vaters und seiner Mutter. Loewenberg hat das religiöse Gewand, das er im Elternhaus empfing, nicht in allen Falten zu dem seinen gemacht. Es mußte weiter werden, damit seine Dichterseele recht darin atmen konnte. Aber die seelische Verbindung mit dem religiösen Geist des Elternhauses hat er in dankbarem Stolz stets aufrecht erhalten. Er wußte, daß sein eigener Standpunkt, die alle religiöse, Engherzigkeit überwindende Weite der Anschauung, im Grunde dennoch ein Erbteil seines Elternhauses, insbesondere seiner Mutter war. Vielleicht das schönste Denkmal, das Loewenberg seiner Mutter gesetzt hat, ist die Stelle, 292