Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1930-08-01 · Heft 3 (August 1930) · p. 277

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
6 (1930-1931)
Issue
Heft 3 (August 1930)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1930-08-01
Page
277 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895491-2895495-2900785--04491-2900876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mischehen haupt keine Bander zeugen will und der zweite jedenfalls nicht für einen Bruder. Der gleiche Ausdruck nämlich: „er war mißfällig in SEINEN Augen und ER ließ ihn sterben" zeigt, daß bei beiden eine verwandte Handlungsweise getroffen werden soll. Das gehört ebenso wie die Greuel von Sodom und Gomorrha zu den aus Lebensfeigheit und Egoismus geborenen ägyptisch-kanaanitischen Perversitäten und darum tötet sie der Gott, der Leben will. Wer Gottes Schöpfer- und Lebenswillen vereitelt, verdient selber nicht zu leben. Mit Bedacht war in den beiden Kapiteln 34 und 36 das Wort Gott gänzlich gemieden worden. Das war die Gesellschaft, die ühre Verhältnisse ohne Gott bestimmte, nur beherrscht durch Sinnlichkeit, Egoismus und Politik. Hingegen mußte in dieser Erzählung gerade SEIN Name genannt werden. „Besudelt euch nicht mit alledem, denn mit alledem besudelten sich die Völker, die ich vor euch wegweise. So ward das Land besudelt, daß ich an ihm seine Schuld ahndete» und das Land seine Bewohner ausspie. Denn alle diese Greuel taten die Männer des Landes vor euch. Daß das Land nicht auch euch ausspeie, wie es das Volk vor euch ausspiel — Meine Ordnungen haltet und meine Satzungen wahret, darin zu wandeln, ICH euer Gott! So wahret denn meine Satzungen und Ordnungen, die der Mensch tue, daß er lebe. ICH! Darum wird es gefügt, daß Juda selbst den Vorfahren der Könige zeugt, von einer Frau zwar „fremden" Blutes, aber einer Israelstochter dem Geiste nach, ihm nicht nur ebenbürtig, sondern wie er zu seinem Ruhme selbst bekennt, an Hochsinn überlegen — wie öfter die besten Patrioten „fremdstämmig" sind.; In ihre Fußtapfen tritt Rut. Auch sie ist fremden Stammes, aus Moab, das selbst in „Blutschande" gezeugt war. Aber wieder siegt edler Sinn über das Blut. Was Tamar gedacht, spricht sie aus: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen, wo du weilst, da will auch ich weilen, dein Volk sei mein Volk* dein Gott ist mein Gott." Hat sie sich einmal einem Hause Israels angelobt, so will sie ihm treu bleiben bis in den Tod. — Wir begreifen nunmehr die Wichtigkeit dieser Erzählung im Rahmen der Genesis. Diese will die Ursprünge Israels darstellen, die Volksgeschichte aber gipfelt in dem Königtum. Nachdem es Jakob geweissagt war und er mit zwölf Söhnen die zwölf Stämme begründet hat, sollen wir erfahren, aus welchem der König kommen werde und von welcher Art seine Ahnfrau war. Daß das Kapitel gerade an dieser Stelle der Josephsgeschichte eingeschaltet ist, soll die echt prophetische Lehre geben: kaum hat die erste Knecht- 277

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.