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Der Morgen · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · p. 604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Article
Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
Date
1930-02-01
Page
604 (sequence 5)
Language
German
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Ludwig Feuchtwanger Wütens gegen den ohnmächtigen Menschen, der weder durch Drachenstärke (Hiob 7, 12) noch durch Sünde (Hiob 7, 20) ihm etwas antun kann, für das an keine Rechtsnorm Gebundene, schlechthin Gewaltige seines Handelns, vor dem der Mensch in Bangen und Grauen sich beugt, lebt in solchen Ausbrüchen und Bildern,----lebt vor allem, uralte Gefühle der Dämonenfurcht mit sich führend, in den Schilderungen des Zornes Gottes selbst und des Tages, an dem sein Grimm sich entlädt und in seinem Feuer das Haus Israel wie das Silber im Ofen zerschmilzt (Ezechiel 22, 22), Menschen und Tiere, Bäume und Früchte verzehrend, ohne daß einer zu löschen vermag." Dieses Gefühl wird dann weiter in den Zusammenstellungen Jahves mit allem Grauenerregenden aus dem menschlichen und natürlichen Bereich vorgeführt und sogar in seinem psychophysischen Ablauf (z.B. Jesaia 21, 3 ff.; Hiob k, 12 ff.) geschildert Im Stimmungsgehalt des Kults findet Hempel eine Komponente aus einer „anderen Frömmigkeit", die durch Vertraulichkeit im Verkehr mit Gott, wohl durch Ehrfurcht, aber ohne Furcht, gekennzeichnet sei. Hier lägen Stücke vor, die in einer anderen Frömmigkeit wurzeln und in diesem Punkt nicht assimiliert seien. Das Bangen vor der Nähe Jahves im Tempel und im Kult weise auf Traditionen des ältesten vorkananäischen Israels hin oder stehe in merklicher Spannung zu den im Lande üblich gewordenen Formen des Gottesdienstes. Hempel beobachtet in der gesamten Gottesvorstellung, sehr ins einzelne gehend und jede Quellenstelle minutiös deutend und vergleichend, einen Prozeß des Nachlassens des Bewußtseins um die persönliche Nähe Jahves, überhaupt des magischen Elements in der Vorstellung des Unsichtbaren, und zwar in zwei Hauptmotiven: Steigerung der Transzendenz, Wegfall altisraelitischer Einrichtungen, die Jahves Gegenwart verbürgen. Hier liest der Verfasser zu viel aus dem Text heraus und überschätzt die wissenschaftlich noch erkennbaren textlichen Unterscheidungsspuren. Auch sonst, besonders in dem Kapitel über die „Doppelseitigkeit des Gefühls gegenüber der Nähe Gottes", sind die religionspsychologischen Distinktionen, vor allem der Begriff der „Gefühlspolarität" überspitzt Das religiöse Sehnsuchtsgefühl sei in der israelitischen Frömmigkeit im allgemeinen nur schwach entwickelt, diese Frömmigkeit wachse aber in der Vorstellung vom Leben in und bei Gott als des einzigen „Lebens" im vollen Sinn des Wortes (z. B. Psalm 73, 25 f.) über alle Diesseitigkeit der Sehnsucht weit hinaus, sie sei eben nicht reine Furcht, aber sie sei auch nicht schrankenlose Sehnsucht der Einswerdung. In der Verschränkung von religiöser Phänomenologie mit Text- 604

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