Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1930-02-01
- Page
- 603 (sequence 4)
- Language
- German
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament hohem Ethos getragenen persönlichen Gottesglauben ausgestellt werden. Das ordnende und säubernde Verfahren läßt besonders eindrucksvoll die schon mit den literarkritischen Methoden gesonderten Schichten auseinandertreten. „Die Verwurzelung im Magischen" bleibt auch noch sichtbar in der Zeit hochentwickelten Gottesglaubens. Das Alte Testament wird als Kreuzpunkt zweier verschiedener Welten vollkommen deutlich. Dadurch, daß eine Reihe unbehauener Blöcke über die große, verschiedenen Epochen angehörende Literatur des Alten Testaments verstreut ist, können zwei, ja mehrere getrennte, einander nicht mehr verstehende Welten, die „der Redakteur" mit großer Kunst verkittet und in eine ganz große eigentümliche einheitliche Idee von Gott und vom Menschen eingetaucht, gleichsam galvanisiert hat, durch sorgsame wissenschaftliche Analyse wieder auseinander genommen werden. Die Besonderheit der israelitischen Religion wird durch reiches Parallelmaterial vor allem aus dem Hellenentum und aus den westsemitischen Inschriften klar. Der Kampf zwischen Religion und Magie in der Bibel wäre das große Thema, das nach der umfassenden Zusammenstellung bei Hempel nun souverän dargestellt, werden müßte, ohne den Ehrgeiz und das Verpflichtungsgefühl, die Beherrschung des letzten Stands oft abseits liegender wissenschaftlicher Kontroversen in sprengenden Fußnoten nach jedem Satz zu zeigen, die häufig für sich kleine Monographien darstellen.' Auch das große Buch von Hempel „Gott und Mensch" bleibt trotz der Gliederung und trotz der übrigen schon erwähnten Vorzüge letztlich Stoffhäufung. Bei aller Eindringlichkeit, mit der an ganz tiefe einzelpsychische und kollektivseelische Vorgänge herangespürt wird, und bei aller immer objektiv am Text haftenden Zuverlässigkeit brechen manchmal die Feinheiten der Unterscheidungen Hempels vor Überspitzungen und Spaltereien ab; die verschiedenen Tönungen und Schattierungen fließen ineinander über. Bei der wichtigen Untersuchung der einen Seite des altisraelitischen religiösen Grundgefühls, der „Furcht vor Jahve" ist das Ergebnis: Der Abstand des Menschen von Jahve ist Machtlosigkeit und Unwürdigkeit, wobei Macht und Würde (Heiligkeit) Jahves höchst individuelle Züge tragen. Diese Abstraktion ist zunächst dünn gegenüber der Wucht des Urtextes, der „erklärt", ja selbst übersetzt, trotz den ausgesuchtesten Worten Eigengehalt, Leben und Wirkung verlieren muß. Zum Beispiel die Furcht, die Nähe Gottes im ekstatischen Erleben wird mit diesen Worten erklärt: „Das Gefühl für das »Ganz Andere«, für das aller menschlichen Berechnung Entzogene des göttlichen Tuns, für das Sinnlose seines 603 41'