Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1930-02-01
- Page
- 601 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Feuchtwanger: Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament ist außerhalb der lebendigen atmenden Gläubigkeit und abseits von der reinen unreflektierten vertrauenden Hingabe an Gott geraten. „Frömmigkeitsgeschichte" ist eine Abart der vergleichenden Religionsgeschichte und wird noch im Umkreis der sich „Theologie" nennenden Universitätsdisziplinen erforscht und gelehrt, eine zufällige, von der Geschichte des abendländischen Bildungswesens bedingte Erscheinung. „Frömmigkeitsgeschichte" ist nach einer Definition des Marburger alttestamentlichen Forschers Baumgartner eine neuerdings am Alten und Neuen Testament wie auch in der allgemeinen Religionsgeschichte geübte Arbeitsweise, die im Unterschied zur „religionsgeschichtlichen" nicht die äußere Geschichte der zu beschreibenden Religion, ihre Einrichtungen, Lehren und Führer untersucht, sondern die „innere Haltung" ihrer Anhänger, eben die „Frömmigkeit", und zwar in all ihren Formen und Wandlungen. Die neue Methode will die bisherigen, namentlich literarkritischen und religionsvergleichenden, formgeschichtlichen und allgemein historischen Wege der vollkommenen Durchdringung der Welt des Alten Testaments beibehalten, aber nach einer wichtigen Seite ergänzen. Typisch sind für diese Forschungsart die Arbeiten von Johannes Hempel, vor allem „Die israelitischen Anschauungen von Segen und Fluch im Lichte altorientalischer Parallelen" (Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Bd. 79, 1925, S. 20—nö) und das oben schon erwähnte größere Werk Hempels „Gott und Mensch im Alten Testament" (1926) mit dem Untertitel „Studie zur Geschichte der Frömmigkeit". Das Programm der zuletzt genannten Studie ist, „die inneren Schwingungen aufzuweisen, die bei den einzelnen Kultakten, Glaubensvorstellungen und Hoffnungsbildern die Seele des alten Israeliten durchzittern". Die Durchführung im einzelnen enthält eine Fülle mustergültiger Interpretationen von ganzen Partien und Stellen des Alten Testaments, sie zeigt dabei eine Durchdringung und Gliederung des Stoffes, eine Beherrschung des Sprachwissenschaftlichen, nicht nur des Hebräischen und Aramäischen, daß man hier von einem bis jetzt unerreichten Höhepunkt der alttestamenllichen Wissenschaft evangelischer Färbung sprechen kann. Weit über ihr eigentliches Thema hinausgehend bieten die Hempelschen Arbeiten überdies einen tiefen Einblick in das weitschichtige Gebiet der Forschungen des Alten Testaments in allen ihren Abarten und Verschlingungen mit anderen Wissenschaften, vor allem auch mit den neuen systematischen und religionspsychologischen Forschungen. Die bisherigen weitverzweigten Ergebnisse sind verwertet und selbständig gefördert, 41 60t